Ich gehe grundsätzlich gerne zu Fuß und erledige soweit möglich alltägliche Dinge ebenfalls auf diese Weise. Zum Einkaufen schnappe ich mir einen Rucksack und mache mich zu Fuß auf den Weg zum Supermarkt. Öffentliche und andere Verkehrsmittel nutze ich in erster Linie aus Zeitgründen. Denn natürlich habe auch ich im Alltag nicht die Zeit mal jemanden zu Fuß zu besuchen, wenn diese Person 10 oder 20 Kilometer entfernt wohnt. Im Urlaub sieht das anders aus. Hier ist meistens viel Zeit vorhanden.

Wenn ich in einer fremden Stadt unterwegs bin, bin ich dazu übergegangen, diese ebenfalls großräumig zu Fuß zu erkunden. Und habe dabei festgestellt, dass die Eindrücke nicht nur intensiver sind, als wenn man Sehenswürdigkeiten mit einer Rundfahrt oder dem Taxi abklappert, sondern ich auch Dinge entdecke, die auf keiner Top10-Liste stehen, aber trotzdem sehenswert sind.

Natürlich kommt man in einer Metropole wie London nicht umhin, größere Strecken mit der Bahn oder einem Boot zurückzulegen. Und öffentliche Verkehrsmittel können auch eine Sehenswürdigkeit für sich sein. Beispielsweise die U-Bahn in Stockholm mit ihren kunstvoll gestalteten Stationen. Oder die U-Bahn im Zentrum von Moskau mit ihren palastartigen Stationen. Oder die Schwebebahn in Wuppertal. In diesen Fällen ist das Verkehrsmittel selbst eine Sehenswürdigkeit und eine Fahrt damit sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Auch sonst spricht natürlich nichts gegen die Nutzung öffentlicher oder anderer Verkehrsmittel. Allerdings spricht viel dafür, auch mal eine längere Strecke zu Fuß zu gehen. In jedem Fall versuche ich, so viele Strecken wie möglich zu Fuß zurückzulegen und es hat sich fast immer gelohnt.

Das sind meine Top-Gründe, warum du eine Stadt, wann immer es möglich ist, zu Fuß erkunden solltest.

Dinge jenseits der Top-Sehenswürdigkeiten entdecken.

In jeder Stadt gibt es etwas zu entdecken und jede Stadt hat schöne Ecken. Und diese findet man gerade abseits der Top-Sehenswürdigkeiten.

Tatsächlich bin ich schon öfter dazu übergegangen bekannte Sehenswürdigkeiten links liegenzulassen und lieber ziellos durch die Stadt zu streifen. In vielen Fällen lohnt es sich.

In London findet man immer noch kleine verwinkelte Gassen mit Pubs, die einen Eindruck davon vermitteln, wie es in der Stadt vor hundert Jahren ausgesehen hat. Diese Bilder sind mir in Erinnerung geblieben. Oder der Gang durch den alten Themsetunnel.
Auf eine Besichtigung des Tower of London habe ich dafür gerne verzichtet.

Auf diese Weise bin ich auch auf eine Reihe alter Villen am Stadtrand von Helsinki gestoßen. Teilweise waren diese verfallen und verströmten den Charme eines Lost Place. Teilweise renoviert und als Atelier und Unterkunft für Künstler verwendet und es gab ein Café mit Blick über die Stadt. Dieser Ort ist wahrscheinlich in keinem Reiseführer aufgeführt. Für mich war es jedoch der Inbegriff von Skandinavien mit bunten Holzhäusern und viel Wald. Und das mitten in einer Großstadt.

Ich könnte die Liste noch fortführen, denn in jeder Stadt findet man diese Kleinode. Aber eben nur, wenn man jemanden vor Ort kennt, oder wenn man planlos durch die Stadt streift.

Menschen sehen und begegnen

Menschen sind das Wichtigste in einer Stadt, denn sie erfüllen die Stadt mit Leben. Auf einer Hop-on-Hop-Off-Tour sind sie jedoch lediglich Kulisse.

Menschen in unterschiedlichen Ländern verhalten sich unterschiedlich. Und das ist spannend zu erleben. So wurde ich sowohl in Helsinki, als auch in Stockholm von Einheimischen angesprochen und gefragt, ob ich etwas suche und ob sie mir helfen können, als ich mal wieder planlos an einer Straßenecke stand und überlegt habe, wo ich denn nun hinlaufen soll. Dass ich Tourist bin, war wohl offensichtlich. In einer deutschen Stadt ist mir das noch nie passiert. In Portugal beispielsweise aber auch nicht.

Die Skandinavier haben ja den Ruf, alle besonders gut Englisch zu können. Den Ruf kann ich bestätigen. Auf einem planlosen Streifzug durch Helsinki hat mich ein Betrunkener lautstark angeblökt. Nach meinem Hinweis, dass ich leider kein Finnisch spreche, war er so freundlich, seinen Vortrag auf englisch zu wiederholen. Er war auf der Suche nach einer Zigarette und hat sich aufgeregt, dass die Tankstelle gegenüber nur Treibstoff verkauft und sonst nichts im Angebot hat 🙂

Geräusche und Gerüche wahrnehmen

Es bleiben andere Eindrücke von einer Stadt hängen, wenn man die Strecken zwischen verschiedenen Sehenswürdigkeiten zu Fuß zurücklegt und nicht mit dem Bus oder Bahn.

Tallinn beispielsweise habe ich als sehr fußgängerunfreundliche Stadt in Erinnerung. Ja, leider kann es auch passieren, dass sich der Eindruck von einer Stadt verschlechtert, wenn man größere Strecken zu Fuß zurücklegt. Tallinn hat einen wunderbaren alten Stadtkern, der von tollen Parkanlagen umgeben ist. Und natürlich ist das der touristische Hotspot. Verlässt man diesen Bereich, hat man es als Fußgänger schwer. Gehwege sind schmal oder nicht vorhanden. Fußgängerampeln brauchen eine gefühlte Ewigkeit bis sie einen berücksichtigen und auf Grün schalten. Überall ist es laut und stinkt nach Abgasen.

Zugegeben, dieses Problem haben die meisten Großstädte. Tallinn ist hier sicher keine Ausnahme, sondern ein Beispiel dafür, wie fußgängerunfreundlich und dreckig viele Städte einfach sind. Und hier ist es mir besonders aufgefallen, da ich versuchte eine größere Strecke zu Fuß zurückzulegen.

Im Gegensatz dazu sind mir wieder Stockholm und Helsinki positiv in Erinnerung geblieben. Gerade Helsinki scheint Radfahrer:innen und Fußgänger:innen zusammen ähnlich viel Platz einzuräumen wie dem motorisierten Verkehr.

Nun kann es einem im Urlaub natürlich auch egal sein, ob eine Stadt fußgängerfreundlich ist. Ich finde es jedoch interessant und auch das sind Eindrücke die bleiben. Und die bekommt man nur, wenn man eine Stadt zu Fuß erkundet.

Nur zu Fuß (oder mit dem Fahrrad) kann man wirklich entdecken

Das ist meine Theorie. Nur zu Fuß, oder mit dem Fahrrad ist es überhaupt möglich wirklich etwas zu entdecken.

Mit dem Auto, Bus oder Bahn legt man einfach nur eine Strecke zurück. Bleibende Erinnerungen vom Blick aus einem U-Bahn-Fenster habe ich jedenfalls keine.

Ist man am Ziel angekommen, erledigt man dort das, was man sich vorgenommen hat. Das kann natürlich auch eine Besichtigung sein. Anschließend steigt man wieder in die Bahn und fährt zum nächsten Hotspot. Am Abend hat man dann wahrscheinlich alles erledigt und gesehen, was man sich vorgenommen hat.

Ist man jedoch langsam unterwegs, eben zu Fuß oder mit dem Rad, werden einem unterwegs eine Vielzahl von Dingen auffallen, die einem ansonsten entgehen würden. Das kann ein Museum sein, von dem man nichts wusste oder ein nettes Restaurant. Oder Kleinigkeiten wie ein mit Rosen bewachsenes Haus, das immerhin ein tolles Fotomotiv abgibt. All diese Dinge schaffen bleibende Eindrücke.

Gesund, umweltfreundlich und kostenlos

Warum nicht das angenehme mit dem nützlichen verbinden? Zu Fuß gehen ist gesund, zumindest wenn man sich nicht den ganzen Tag an einer viel befahrenen Straße aufhält. Aber das macht ja ohnehin keinen Spaß.

Laufen ist umweltfreundlich und kostet nichts. Du musst weder für Bahn- oder Bustickets bezahlen, noch für einen Parkplatz. Und man verbrennt eine Menge Kalorien, sodass man bei einem üppigen Abendessen ein weniger schlechtes Gewissen haben muss.

Eine Win-win-win-Situation.

Individuelle Route und Geschwindigkeit

Rundfahrten oder Hop-On Hop-Off Touren haben vorgegebene Routen, die zu den Top-Sehenswürdigkeiten führen, sowie einen vorgegebenen Zeitplan. Beides ist natürlich von Vorteil, wenn man wenig Zeit hat.

Verfügt man jedoch über viel Zeit, was im Urlaub ja die Regel sein sollte, sehe ich das eher als Nachteil.

Zu Fuß kann ich mich treiben lassen. Verbringe an einem Ort so viel Zeit wie ich gerne möchte. Um mich dann zu einem anderen Ort treiben zu lassen. Häufig sind das Orte mit besonderen Gebäuden oder anderen Landmarken, die ich in der Ferne sehen. Dadurch gibt es keine feste Route, dafür jedoch umso mehr Möglichkeiten, unterwegs unerwartetes zu entdecken.

Nur zu Fuß kannst du deine Route völlig frei gestalten. Du bist nicht an Schienen oder Buslinien gebunden, sondern kannst querfeldein und durch Wohngebiete laufen. Du benötigst keinen Parkplatz. Und du bist nicht an Abfahrtszeiten gebunden. Wie viel Zeit du an einem Ort verbringst, bestimmst allein du.

Maximale Flexibilität und kombinierbar mit allen anderen Verkehrsmitteln

Dieser Punkt knüpft direkt an den darüber an. Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, bist du auf Parkplätze angewiesen. Und gerade in Großstädten sind diese schwer zu finden oder teuer. Entsprechend gering ist oft die Lust, das Auto ständig umzuparken.

Wenn du zu Fuß unterwegs bist, erhältst du dir maximale Flexibilität. Willst du eine größere Strecke zurück legen? Bus, Bahn, Taxi… Egal. Es stehen dir alle Möglichkeiten offen.

Entschleunigung

Der letzte Punkt ist, zumindest für mich der wichtigste. Längere Strecken zu Fuß zurückzulegen entschleunigt und macht den Kopf frei.

Autofahren in fremden Großstädten finde ich immer anstrengend. Wirklich entspannt komme ich nie an, sondern bin immer froh, wenn das Auto endlich auf einem Parkplatz steht.

Das Zurücklegen kleinerer Strecken mit den Öffentlichen, erfordert immer ein gewisses Maß an Planung. Man muss sich um Routen und Abfahrtszeiten kümmern.

Zu Fuß gehen ist der völlige Kontrast hierzu. Auf das Laufen muss man sich nicht konzentrieren. Das funktioniert von alleine. Stattdessen kann man sich beispielsweise auf die Umgebung konzentrieren, beispielsweise wenn eine schöne Strecke an einem Fluss entlang läuft. Oder man lässt einfach die Gedanken kreisen. Beides entspannt mich und ich komme immer entspannt am Ziel an.

Fazit

Lange Strecken zu Fuß zu gehen setzt natürlich voraus, dass man körperlich gesund ist und außerdem Spaß am Laufen hat. Das ist mir durchaus klar.

Ebenfalls klar ist, dass man große Metropolen nicht komplett zu Fuß erkunden kann. In diesen Fällen suche ich mir einzelne, sinnvoll im Stadtgebiet verteilte Orte aus, die ich dann mit Bus oder Bahn anfahre. Von dort aus starte ich meinen Rundgang dann zu Fuß.

Von einer Stadtrundfahrt sind mir nie nennenswerte Erinnerungen geblieben. Außer, dass ich eine Stadtrundfahrt gemacht habe.

Bleibende und nachhaltig eindrucksvolle Erinnerungen sind mir jedoch immer dann geblieben, wenn ich weite Strecken durch eine Stadt zu Fuß zurückgelegt habe.

Langer Rede, kurzer Sinn: Zu Fuß entdeckt und erlebt man mehr, es ist gesund und entspannt. Laufen lohnt sich und macht Spaß.

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