Es stand ein einwöchiger Urlaub an und ich begann zu überlegen, was ich unternehmen könnte. Eine große Reise kam aufgrund der Corona-Situation noch nicht in Betracht. Da ich außerdem das Gefühl hatte, mich nicht nur erholen zu wollen, sondern vor allem den Kopf freibekommen wollte, entschied ich mich für eine Wanderung.

Es sollte auf jeden Fall eine mehrtägige Wanderung werden. Und so fing ich an zu planen und entschied mich aus verschiedenen Gründen dazu, den Eggeweg entlangzuwandern. Mit einer Länge von ca. 75 Kilometern lässt sich der Weg gut in drei Etappen erwandern. Mit den Wegen zu und von den Unterkünften wird die Strecke naturgemäß nochmal ein bisschen länger, was man bei der Planung auch nicht vergessen sollte.

Der Start- und Zielpunkt liegt jeweils in einer Stadt, sodass ich mit dem Zug anreisen konnte. Außerdem beginnt der Weg an den Externsteinen, die ich sowieso schon lange einmal besuchen wollte. Allerdings war mir die Anreise von ca. 6 Stunden zu lang, nur um diese Steinformationen zu besuchen. In Verbindung mit einer mehrtägigen Wanderung sieht das natürlich ganz anders aus.

Der Eggeweg

Der Eggeweg hat eine Länge von ca. 75 Kilometern und verbindet den Teutoburger-Wald mit dem Sauerland. Außerdem ist der Weg ein Teilstück des europäischen Wanderwegs E1.

Startpunkt sind die Externsteine in der Nähe von Horn-Bad Meinberg. Der Weg endet in der Stadt Marsberg. Beide Städte liegen in Nordrhein-Westfalen.

Der Weg erhielt unterschiedliche Auszeichnungen und ist gut ausgeschildert. 23 Schutzhütten und weitere Rettungspunkte liegen am Weg, sodass man einerseits bei Regen Schutz suchen kann, oder im Notfall schnell Hilfe anfordern kann. Da man selten allzu weit von der Zivilisation entfernt ist, hat man auch fast überall Handyempfang. Für den Fall, dass mir etwas passiert (Sturz, Bruch etc.) habe ich immer die Schilder des letzten Rettungspunktes fotografiert. Zusammen mit der Angabe in welche Richtung man läuft, können einen Rettungskräfte im Zweifel schnell finden. Wer besonders vorsichtig ist, kann das jeweilige Bild mit einer anderen Person via Messenger teilen. Dann gibt es immer einen Anhaltspunkt, falls man verloren gehen sollte.

Für die Planung der Wegstrecke habe ich die Infos und GPX-Datei von wanderkompass.de verwendet, auch wenn ich mich letztendlich nicht immer genau an den Weg gehalten habe. So habe ich mir den letzten Anstieg von Niedermarsberg nach Obermarsberg gespart. Hier befindet man sich bereits in der Stadt, das Start-/Zielschild des Eggewegs liegt bereits hinter einem und die Wanderung fühlte sich auch irgendwie beendet an. Laut dem Eggegebirgsverein gehört dieser Teil auch nicht mehr zum Weg. Trotzdem ist die GPX-Datei ein super Helfer zum Planen der Strecke und der Unterkünfte.

Auf dieser Karte siehst du den Weg, den ich gegangen bin. Die Lücke an Tag zwei ist die Strecke, bei der ich gecheatet habe, also mit dem Bus gefahren bin. Doch dazu später mehr.

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Die Anreise

Da die Anreise mit dem Zug für mich etwa 6 Stunden betrug, wollte ich am Anreisetag nicht direkt mit Wandern beginnen. Stattdessen stand noch das Einkaufen von Lebensmitteln und die Besichtigung der Externsteine an.

So ging es morgens zuerst mit dem ICE von Stuttgart nach Köln, wo ich direkt eine Stunde Aufenthalt hatte. Die Zeit habe ich genutzt, um mir den Kölner Dom anzuschauen, der direkt neben dem Bahnhof liegt. Dann ging es weiter nach Bielefeld. Von dort aus fährt ein kleiner Regionalexpress mit Dieselantrieb nach Horn-Bad Meinberg. Die kleine Stadt hat jedoch mehrere Supermärkte, in denen ich mich mit den wichtigsten Lebensmitteln für die kommenden Tage eingedeckt habe. Frühstücken konnte ich zwar in meinen Unterkünften, allerdings gab es nicht überall die Möglichkeit einzukaufen. Zum einen, weil der folgende Tag ein Sonntag ist, zum anderen, weil eine der Unterkünfte weit ab vom Schuss liegt.

Anschließend machte ich mich auf den Weg zu den Externsteinen, die vom Bahnhof ca. 3 Kilometer entfernt liegen.

Die Externsteine

Bei den Externsteinen handelt es sich um eine rund 40 Meter hohe Felsformation, die zu den bekanntesten Natur- und Kulturdenkmälern Deutschlands gehören. Die Felsgruppe fällt auf, da sie völlig frei in einer ansonsten steinfreien Umgebung steht. Dass sie wie ein Fremdkörper in der Umgebung wirken, war wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum die Externsteine seit Jahrtausenden als Heiligtum angesehen und entsprechend genutzt wurden.

So fand man an den Externsteinen archäologische Funde und Höhlen aus der Steinzeit, genau wie ein Relief aus dem Hochmittelalter.

Auf den Steinen gibt es Wege und Aussichtsplattformen, sodass man die Felsformationen normalerweise bequem besichtigen kann. Aufgrund der Corona-Sicherheitsmaßnahmen war das derzeit aber nur eingeschränkt möglich. So konnte man nur auf die Aussichtsplattform auf dem großen Felsen. Die anderen Steine und die kleine Brücke waren gesperrt. Außerdem bekam man mit der Karte einen bestimmten Zeitslot zugeteilt, was dementsprechend eine Wartezeit bedeutete. Ich habe daher darauf verzichtet die Felsen zu begehen und habe mich stattdessen aufgemacht, den Rundweg um die Felsformationen zu begehen.

Später habe ich mich dann zum Ort Holzhausen-Externsteine aufgemacht, wo ich für die erste Übernachtung ein Hotelzimmer gebucht hatte.

Etappe 1: Externsteine nach Bad Driburg

Gestärkt mit einem tollen Frühstück habe ich gegen 08:30 Uhr das Hotel verlassen und mich wieder auf den Rückweg zu den Externsteinen gemacht, wo der Eggeweg beginnt.

Die erste Etappe war ca. 27 Kilometer lang (von Unterkunft zu Unterkunft) und ist relativ einfach zu begehen. Da an dieser Etappe einige touristische Sehenswürdigkeiten liegen, ist diese Etappe auch die, auf der ich am meisten Menschen begegnet bin. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum die Wege allesamt in gutem Zustand und leicht zu finden sind. Das soll sich am kommenden Tag noch ändern.

Ausgehend von den Externsteinen führt der Weg durch eine heideartige Landschaft mit Wäldern und kleinen Büschen. Gleich zu Beginn komme ich an einigen Holzliegen vorbei, auf denen man die Sonne und die Landschaft genießen kann. Da ich aber erst eine halbe Stunde unterwegs bin, habe ich nur eine ganz kurze Pause gemacht, um den Ort auf mich wirken zu lassen.

Anschließend ging es hauptsächlich auf unbefestigten Waldwegen durch wunderschöne Mischwälder. Hier habe ich mich tatsächlich auch kurz verlaufen, da ich mich von einer Gruppe habe ablenken lassen, die mit ihren ferngesteuerten Geländewagen unterwegs waren. Naja, meinen Fehler habe ich schnell bemerkt und bin zurück auf den Weg gelaufen.

Gegen Mittag bin ich in regelrechte Ströme aus Touristen geraten (es war Sonntag). Auf einer kleinen Teilstrecke waren ganze Familien, teilweise mit drei Generationen unterwegs. Kurz darauf sah ich auch deren Ziel. Der Eggeturm. Ein Aussichtsturm, der frei auf einem Hügel steht und einen tollen Blick über die umliegende Landschaft erlaubt. Das ist wohl ein beliebtes Ziel für Leute aus der Umgebung, die einen Tagesausflug machen wollen.

Nachdem ich den Eggeturm hinter mir gelassen hatte, wurde es auch schnell wieder ruhiger und ich war wieder alleine unterwegs.

Es folgte eine längere Strecke aus sehr abwechslungsreicher Landschaft. Streckenweise ging es durch Wald, dann wieder durch dichten und hochgewachsenen Farnbestand und dann wieder durch eine Heidelandschaft.

Am späteren Nachmittag kam ich dann zur Iburg (Burg Driburg). Der dritte Touristenmagnet an diesem Tag. Von der Burg selbst ist nur noch eine Ruine übrig. Allerdings gibt es in unmittelbarer Nähe ein Ausflugslokal mit einem Aussichtsturm. Ich habe mir die Burgruine angeschaut und mich dann wieder aufgemacht nach Bad Driburg, wo ich eine Übernachtung in einer Pension gebucht hatte.

Etappe 2: Von Bad Driburg nach Blankenrode

Bei der Buchung der Unterkünfte für diese Etappe hatte ich mich leider ein bisschen verplant, denn die gebuchte Pension für die kommende Nacht liegt an der A44 und nicht an der parallel verlaufenden B64. Dieser Fehler hätte dazu geführt, dass die heutige Etappe von Unterkunft zu Unterkunft 37 Kilometer betragen hätte. Das war mir doch zu viel für einen entspannten Wandertag, besonders da es ein recht heißer Tag zu werden schien.

Ich habe mich daher dazu entschlossen vom Bahnhof Bad Driberg mit dem Bus nach Neuenheerse zu fahren. Die Strecke betrug etwa 7 Kilometer, wobei mir nur etwa 4 Kilometer vom Eggeweg verloren gingen. Der Rest war die Strecke von der Unterkunft zurück zum Weg.

Mit 30 Kilometern war die Strecke für diesen Tag trotzdem noch lange genug. Auch merkte ich schnell, dass es nicht nur warm, sondern auch recht schwül wurde und ich schnell anfing zu schwitzen, sodass ich mir meine 2 Liter Wasser für die Strecke gut einteilen musste.

Die Strecke war nochmals abwechslungsreicher als die erste Etappe. Im positiven wie im negativen. Gestartet bin ich über grüne Wiesen mit weidenden Pferden. Dann ging es ein kurzes Stück an einer Landstraße entlang.

Die folgende, relativ lange Wegstrecke war von intensiver Forstwirtschaft geprägt. Das bedeutete beispielsweise tiefe Fahrspuren, die große Maschinen in den Weg gegraben haben. Das macht das Laufen nicht gerade einfacher. Auch die Landschaft ist über weite Strecken von gefällte Bäumen und Baumstümpfen geprägt. Teilweise sieht es aus, als ob ein Sturm über den Wald gefegt wäre. Schöne und unberührte Natur ist anders.

Auch die kühlen, grünen Mischwälder vom Vortag vermisse ich. Stattdessen geht es über weite Strecken durch teilweise abgestorbene Fichten-Monokulturen. Doch auch hier gab es schöne Stellen, an denen die Maschinen noch nicht gewütet hatten und die Bäume gesund waren. Hier lagen die alten Nadeln der Bäume teilweise mehrere Zentimeter dick auf dem Boden, wodurch der Boden angenehm weich und federnd wurde.

Regelmäßig führt der Weg wieder in den Wald hinein und durch schöne Buschlandschaft, wo sich das Auge erholen kann. Einige Zeit später komme ich an einem großen Funkturm vorbei. Ich finde es immer spannend, wenn man an großen, weit sichtbaren Landmarken vorbeikommt. Den Turm konnte ich im weiteren Verlauf des Weges immer wieder sehen, aus immer größerer Entfernung. So sieht man schön, welche Strecke man zurückgelegt hat und wo man vor einigen Stunden war.

Am späten Nachmittag traf ich verschwitzt, durstig aber auch sehr zufrieden in der Pension ein.

Etappe 3: Von Blankenrode nach Marsberg

Da ich am Vortag eine große Strecke zurückgelegt hatte, war die dritte Etappe entsprechend kurz. Lediglich 13 Kilometer hatte ich heute vor mir. Nicht einmal die Hälfte der Strecke vom Vortag. Dementsprechend habe ich mir vorgenommen es richtig gemütlich angehen zu lassen.

Nachdem ich nur wenige hundert Meter gegangen war, kam ich unverhofft zu den Bleikuhlen und dem Schwermetallrasen von Blankenrode. Durch geologische Verwerfungen wurden an dieser Stelle verschiedene Schwermetalle an die Erdoberfläche befördert. Dies führte einerseits dazu, dass hier über Jahrhunderte Schwermetalle im Tagebau abgebaut wurden. Hiervon ist heute jedoch nur noch eine etwa 500 Meter lange Grube und Abraumhalden zu sehen.

Der lebensfeindliche Untergrund führte jedoch dazu, dass sich hier eine ganz besondere Vegetation entwickeln konnte. Lediglich wenige, spezialisierte und sehr niederwüchsige Pflanzen können auf dem schwermetallhaltigen Boden Leben, sodass hier eine ganz besondere Landschaft entstanden ist.

Ein Stück weiter ging es endlich wieder in die von mir so geliebten Mischwälder. Ich finde, dass hier immer besonders gute Luft, ein angenehmes Klima und eine ganz besondere Stimmung herrscht. Am Waldrand kam ich wieder an eine gut ausgebaute Schutzhütte mit Liegen. Und da ich ja viel Zeit habe, habe ich direkt eine kleine Pause eingelegt.

Die heutige Etappe führte wieder an Wiesen, Weiden und Feldern vorbei und ein kurzes Wegstück führte durch ein Dorf. Ein Stück weiter kam ich zur nächsten gut ausgebauten Schutzhütte. Da ich Zeit hatte, ihr ahnt es, habe ich wieder eine Pause gemacht. Nachdem ich mich gesetzt hatte, kam ein Auto mit einem älteren Herrn über den Feldweg angefahren und hielt vor der Hütte.

Es stellte sich heraus, dass der sehr freundliche Herr vom örtlichen Wanderverein ist, der die Hütte in ehrenamtlicher Arbeit gebaut hat und unterhält. Zweimal die Woche kommt er vorbei und sammelt den Müll ein, da die Hütte wohl auch von der örtlichen Jugend genutzt wird, um am Wochenende dem Dorf zu entkommen. Die Hütte und die Anlagen werden wohl pfleglich behandelt, allerdings bleibt oft eine Menge Müll zurück. Nunja, er freute sich trotzdem, dass die Hütte von so vielen Menschen regelmäßig genutzt und aufgesucht wird.

Der Weg führte nun noch einige Kilometer vorbei an Feldern und durch Wald. Dann kam ich an eine Straße und das Ortsschild von Marsberg, meinem Ziel. Bis zur Unterkunft führte mich der Weg noch ein Stück an der Diemel entlang. An der Unterkunft angekommen, fand ich alle Türen verschlossen vor. Ein Druck auf die Klingel sorgte dafür, dass die Gegensprechanlage das Handy der Besitzerin anrief: „Oje, wir sind gerade unterwegs, ein Auto kaufen, wir machen und gleich auf den Weg.“ Kein Problem. Ich sagte der Dame noch dass Sie sich ruhig Zeit lassen soll, ich hatte ja schließlich nichts mehr vor.

Rückblick und Rückreise

Ich habe die Wandertage auf dem Eggeweg sehr genossen, auch wenn die drei Tage etwas kurz waren. Ein vierter Wandertag hätte mir noch gefallen. Trotzdem habe ich mein Ziel erreicht, nämlich den Kopf freizubekommen, und Natur zu sehen. Der Weg ist abwechslungsreich und gut ausgeschildert, sodass man überwiegend entspannt vor sich hinlaufen kann und ein Blick auf die (digitale) Karte nur selten nötig ist. Vor allem dann, wenn man den ausgeschilderten Weg einmal verlassen hat. Am meisten zu schaffen gemacht haben mir tatsächlich meine knappen Wasservorräte am zweiten Tag. Hier hatte ich leider die Hitze, bzw. die Schwüle unterschätzt. Ansonsten war der Weg recht entspannt zu laufen. Auf die wenigen, steilen Anstiege folgten immer lange ebene Strecken, auf denen man sich wieder entspannen kann.

Etwas gewundert habe ich mich, dass ich keine anderen Wanderer getroffen habe, die den Eggeweg oder einen größeren Teil des E1 gewandert sind. Über weite Strecken war ich völlig alleine unterwegs. Dort wo ich andere Menschen getroffen habe, hat es sich (dem Gepäck nach zu urteilen) immer um Tagesausflügler gehandelt. Nunja, vielleicht sind die Wanderer alle auf dem Rothaarsteig unterwegs, der sich ganz in der Nähe befindet und sicher deutlich bekannter ist und bei mir auch noch auf dem Programm steht.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof Marsberg. Von hier fahren wieder kleine Diesel-Züge nach Kassel, wo man in Fernzüge umsteigen kann. Entspannt kam ich am frühen Nachmittag zu Hause an. Mit dem Kopf noch halb auf dem Eggeweg und halb bei der Planung der nächsten Wanderung.

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