Der Begriff „Menhir“ war mir unbekannt, bis ich eines Tages einen Krimi aus der Kommissar-Dupin-Reihe las. Teil des Falls war ein Menhir-Forscher sowie mehrere Menhire in der Bretagne, denen von den Einheimischen alle möglichen mystischen Kräfte zugeschrieben wurden.

Als ich dabei war, einige Touren durch das Saarland zu planen, stieß ich auf den Gollenstein in Blieskastel. Der größte Menhir Mitteleuropas.

Mit der, durch das Buch ausgelösten Faszination im Kopf, wollte ich diesen Stein natürlich unbedingt sehen.

Karte Standort Gollenstein

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Was ist ein Menhir?

Bei einem Menhir handelt es sich um einen großen hochragenden Steinblock, der in vorgeschichtlicher Zeit von den Menschen aufgerichtet wurde. Sie werden auch Hinkelsteine genannt und sind als solche vor allem aus den Asterix & Obelix Comics bekannt.

Die Felsen wurden teilweise aus mehreren Kilometern Entfernung an den Aufstellungsort transportiert, was mit den einfachen technischen Mitteln der Steinzeit eine ziemliche Herausforderung gewesen sein muss. Dementsprechend groß muss auch die Bedeutung der Menhire gewesen sein.

Der Gollenstein – Größter Menhir Mitteleuropas

Auf einem Feld, nahe der Stadt Blieskastel im Saarland, steht seit etwa 5000 Jahren der Gollenstein auf einem Hochplateau. Was die Datierung angeht, gibt es unterschiedliche Quellen. Während die Infotafel am Gollenstein von 5000 Jahren spricht, spricht die Wikipedia von 4000 Jahren. Egal. Er steht dort auf jeden Fall seit der Steinzeit. Mit einer Höhe von 6,60 Metern ist er der größte Menhir Mitteleuropas.

Die Bezeichnung „Menhir“ für den Gollenstein ist jedoch umstritten, denn es handelt sich um ein keltisches Wort. Und als die Kelten in die Gegend um Blieskastel kamen, stand der Gollenstein bereits seit rund 1000 Jahren an seinem Ort. Trotzdem hat sich die Bezeichnung durchgesetzt und wird weiterhin verwendet.

Die Christianisierung Europas ging auch am Gollenstein nicht spurlos vorüber. Wahrscheinlich im 19. Jahrhundert schlug man eine kleine Grotte in den Stein, die mit einem kleinen Altar und einem Christus-Monogramm versehen wurde. Immerhin wurde das heidnische Großprojekt ansonsten in Ruhe gelassen und nicht zerstört.

Das schafften erst die Nazis beim Bau des Westwalls. Man befürchtete, dass der große, frei stehende Stein als Richtpunkt für die Artillerie genutzt werden würde, um die Bunkeranlagen anzugreifen. Also legte man den Stein kurzerhand um. Dabei wurde wohl versucht, den Stein nicht zu beschädigen, was jedoch misslang. Die Seile rissen, der Gollenstein schlug auf den Boden und zerbrach in mehrere Teile.

Erst im Jahr 1951 wurde er wieder aufgerichtet und restauriert und die fehlenden Bruchstücke wurden durch Beton ergänzt. So steht der Gollenstein zwar heute wieder in seiner ursprünglichen Höhe, die Beschädigungen durch die reparierten Brüche sind jedoch deutlich sichtbar.

Das ändert jedoch nichts an der beeindruckenden Größe des Gollensteins. Es ist schon ein etwas ehrfürchtiger Moment, wenn man neben diesem Ungetüm steht und daran denkt, dass dieser vor rund 5000 Jahren von anderen Menschen mit primitivsten Mitteln an dieser Stelle aufgerichtet wurde.

Blieskastel – kleine, lebendige Barockstadt

Der Gollenstein ist das Wahrzeichen von Blieskastel. Aber wenn man in der Gegend ist, bietet es sich an, auch der Stadt selbst einen Besuch abzustatten.

Denn Blieskastel ist für die Vielzahl an Barockgebäuden in der Altstadt bekannt. Besonders sehenswert ist das Gebäude der Orangerie in den Resten der Schlossanlage, die heute ein Park ist. Direkt nebenan befindet sich die Schlosskirche und auch einen Rundgang durch die Altstadt mit weiteren Barockbauten sollte man nicht vergessen.

Auf dem Berg oberhalb der Stadt steht das Wallfahrtstkloster Blieskastel, das vom den Franziskaner-Minoriten geführt wird. Besonders eindrucksvoll ist die Parkanlage, die das Kloster umgibt. Hier wurden eine Vielzahl an biblischen Szenen mit Steinfiguren eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Anfahrt mit dem ÖPNV

Der nächstgelegene Bahnhof ist Blieskastel-Lautzkirchen. Vom Bahnhof bis zum Gollenstein sind es nur rund zwei Kilometer Fußweg. Da der Menhir auf einem Hochplateau liegt, müssen etwa 100 Höhenmeter überwunden werden. Vom Gollenstein in die Altstadt von Blieskastel sind es etwa zwei weitere Kilometer.

Wer nicht zu Fuß gehen möchte, kann vom Bahnhof in knapp 20 Minuten mit dem Bus zur Haltestelle Blieskastel, Danziger Straße fahren. Diese befindet sich in einem Wohngebiet am Stadtrand von Blieskastel. Von dort aus ist es noch ein Fußweg von ca. einem Kilometer bis zum Gollenstein.

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