Einigermaßen schockiert habe ich in mehreren Gesprächen festgestellt, dass die gute alte Handwäsche bei einigen Leuten gar nicht mehr bekannt ist.

Es kommen dann so Sätze wie, „Iiiih, wie kannst du denn mit drei T-Shirts 10 Tage unterwegs sein“ oder „wir hatten ja nirgendwo die Möglichkeit unterwegs mal zu waschen“.

Dabei ist Handwäsche der Trick, um auch mit wenig Gepäck lange unterwegs zu sein. Da diese Möglichkeit bei vielen offenbar gar nicht mehr präsent ist, kann man die Handwäsche mittlerweile wohl als Lifehack bezeichnen.

Natürlich ist sie nicht so gründlich wie ein Waschgang von 1,5 Stunden in der Waschmaschine. Aber mal ehrlich, meistens kommen unsere Klamotten in die Wäsche, weil sie nicht mehr so gut riechen und nicht weil sie Grasflecken haben. In den meisten Fällen wird die Handwäsche mit dreckiger Wäsche gut fertig. Immerhin hat die Menschheit über Jahrhunderte die Wäsche von Hand gewaschen und das sogar ohne die modernen Waschmittel, die uns heute zur Verfügung stehen.

Falteimer für Handwäsche
Praktischer Falteimer für die Handwäsche unterwegs

Tipps, um unterwegs nicht so oft waschen zu müssen

Handwäsche auf Reisen ist praktisch, aber auch zeitaufwendig. Am besten ist es daher, wenn man gar nicht erst waschen muss.

  • Kleidung aus Wolle tragen. Socken und Unterwäsche aus Wolle nehmen Gerüche nicht so leicht an wie Baumwolle und können daher länger getragen werden (funktioniert wirklich, ich finde diese Eigenschaft von Wolle extrem beeindruckend). Merinowolle ist außerdem weich und sehr angenehm zu tragen, sieht elegant aus und hat nichts mit dem klassischen dicken Öko-Wollpullover zu tun.
  • Kleidung an der frischen Luft aufhängen. Wenn ein Kleidungsstück irgendwann nicht mehr so gut riecht, ansonsten aber sauber ist, hilft es, die Kleidung für einige Stunden draußen aufzuhängen. Am besten, wenn etwas Wind geht. Auch das funktioniert mit Kleidung aus Wolle am besten. Sie verliert unangenehme Gerüche fast immer komplett.
  • Nutze je einen Satz Kleidung für einen Anlass. Wenn man im Sommer wandern geht, ist das T-Shirt ohnehin gleich wieder verschwitzt. Daher kann man auch gleich das Shirt vom Vortag wiederverwenden. Für den Ausflug in die Stadt, wo man eher weniger schwitzt, einen anderen Satz Klamotten bereitlegen. Und selbstverständlich sollte man in Kleidern, die man tagsüber trägt, nicht schlafen.
  • Nutze das Zwiebelprinzip und trage mehrere Lagen an Kleidung. So musst du nur die dünnere innere Lage waschen, die durch den dünnen Stoff außerdem schneller trocknet. Die wärmenden äußeren Schichten, die die Haut nicht berühren, können deutlich länger getragen werden, bevor sie gewaschen werden müssen.
  • Dry-Wash-Sprays: Es gibt auch Sprays, mit denen man Kleidung einsprühen kann und die Gerüche eliminieren. Ich bin davon kein Freund, trotzdem soll es nicht unerwähnt bleibe.

Das brauchst du für eine Handwäsche auf Reisen

Wenn es irgendwann soweit ist, dass die Wäsche von Hand gewaschen werden soll, helfen folgende Hilfsmittel.

Falteimer

Falteimer* oder große Faltschüssel. Waschbecken in Hotels und anderen Unterkünften haben oft keinen Stöpsel, sodass man darin keine Wäsche einweichen kann. Und in einem Gemeinschaftsbad kann man auch nicht das Waschbecken blockieren um, Wäsche einzuweichen.

Ich habe daher immer einen faltbaren Eimer mit 12 Litern Fassungsvermögen auf Reisen mit dabei. Dieser wiegt kaum etwas, nimmt praktisch keinen Platz weg und kann außer zum Waschen auch noch zum Transportieren von Einkäufen oder anderen Dingen genutzt werden.

Handwaschmittel Tube

Spezielles Handwaschmittel*. Zur Not funktioniert auch einfache Seite oder Duschgel, um Wäsche mit der Hand zu waschen. Meiner Erfahrung nach ist gerade Duschgel aber eher eine Notlösung. Ein wesentlich besseres Ergebnis bekommt man mit speziellem Handwaschmittel, das es in Tuben zu kaufen gibt und das daher ideal zum Mitnehmen ist.

Bürsten

Bürste*. Wenn ein Kleidungsstück doch richtige Flecken hat, hilft es, diese nach dem Einweichen mit einer Bürste zu behandeln. Damit löst sich der Dreck besser, als durch reines Kneten mit der Hand. Ob du eine Wurzelbürste oder einfach eine billige Spülbürste nimmst ist egal.

Eine Wäscheleine* oder einfach ein Stück Schnur. Damit kannst du die Wäsche auf dem Balkon, zwischen zwei Bäumen, oder auch im Hotelzimmer zwischen zwei Stühlen aufhängen.

Übrigens: Funktionskleidung trocknet auch bei Zimmertemperatur problemlos über Nacht, während Kleidung aus Baumwolle, je nach Temperatur, zwei Tage trocknen muss.

So bekommst du deine Kleidung unterwegs mit Handwäsche richtig sauber

Die richtige Technik hilft dabei, die Kleidung auch mit Handwäsche ordentlich sauber zu bekommen.

Ach ja, bitte kein Seifenwasser in die Natur gießen. Auch nicht, wenn die Seife biologisch abbaubar ist. Denn auch biologisch abbaubare Seife muss abgebaut werden. Bis das passiert ist, wirkt sie sich ebenfalls schädlich auf die Umwelt aus.

  1. Verwende nach Möglichkeit warmes Wasser. In warmem Wasser löst sich Schmutz sehr viel besser als in kaltem.
  2. Verwende spezielles Handwaschmittel. Das Ergebnis ist deutlich besser, als mit Duschgel oder Handseife.
  3. Lass die Wäsche einweichen. Der Schlüssel zu einer guten Handwäsche ist das Einweichen. Etwa 30 Minuten sollte man die Wäsche im Wasser liegen lassen, damit sich der Schmitz löst.
  4. Mehrmals kräftig durchkneten und den Stoff, bzw. die dreckigen Stellen aneinander reiben, um Schmitz zu lösen.
  5. Anschließend das Seifenwasser vorsichtig aus der Wäsche drücken und höchstens vorsichtig auswringen. Starkes verdrehen und wringen strapaziert und dehnt den Stoff und sorgt dafür, dass sich die Kleidung verziehen kann.
  6. Dann die Wäsche ein- bis zweimal in klarem Wasser auswaschen, bis alle Seife aus der Kleidung ausgespült wurde.
  7. Drücke das überschüssige Wasser wieder aus der Kleidung und hänge sie anschließend auf.

Notlösungen für die improvisierte Handwäsche

Wenn du keinen Falteimer hast, das Waschbecken keinen Stöpsel hat, und du auch sonst nicht auf eine Handwäsche vorbereitet bist, kannst du mit folgenden Alternativen deine Wäsche zur Not trotzdem waschen.

  • Müllbeutel oder andere wasserdichte Plastiktüten ersetzen zur Not das Waschbecken. Gib deine Wäsche in die Plastiktüte und gib so viel Wasser hinzu, dass die Wäsche gut nass ist, das Wasser aber nicht zu hoch darin steht.
  • Gib dann Duschgel oder Handseife hinzu. Auch mit fester Seife kannst du zur Not waschen. Reibe diese dann einfach an der nassen Kleidung und im Wasser.
  • Lass die Kleidung ordentlich einweichen. Je kälter das Wasser und je ungeeigneter das Waschmittel, desto länger sollte die Einweichzeit sein. Eine halbe Stunde ist ein guter Richtwert.
  • Knete anschließend den Müllsack mit der Wäsche ordentlich durch.
  • Wenn du sehr dreckige Wäsche, aber keine Bürste hast, kannst du die Kleidungsstücke mit den dreckigen Stellen kräftig aneinander reiben.
  • Anschließend die Wäsche mit klarem Wasser durchspülen und aufhängen.

Handwäsche – Völlig unterschätzt

Die gute alte Handwäsche scheint völlig unterschätzt zu sein. Mit ein bisschen Übung und Routine ist es auch gar nicht mehr lästig, wenn man alle paar Tage ein paar Kleidungsstücke durchwaschen muss.

Und sie ist der Trick, um mit 3 Sätzen Klamotten (die man auf der Haut trägt) beliebig lange unterwegs sein zu können, ohne dreckig zu sein. Das wiederum sorgt dafür, dass der Rucksack leicht ist oder der Koffer klein. So leistet die Handwäsche ihren Beitrag für eine stressfreie und entspannte Reise.

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