Das Ruhrgebiet hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert und tut dies immer noch. Dieser ist stark geprägt vom Strukturwandel seit dem Ende der Steinkohleförderung. Weg von einem Zentrum des Bergbaus und der Schwerindustrie, hin zu einer bedeutenden Kultur- und Technologieregion.

Teile und Überreste der riesigen Industrieanlagen werden heute sinnvoll in die neue Bedeutung der Region integriert. Als Museen, Veranstaltungsorte und besondere Naturräume. Was mich besonders erstaunt hat, ist, dass diese ehemaligen Industrieanlagen mehr oder weniger mitten in den Großstädten liegen und nicht weit außerhalb in der Peripherie.

Mit mehr als 5 Millionen Menschen ist das Ruhrgebiet der größte Ballungsraum Deutschlands und besteht aus mehreren zusammengewachsenen Großstädten. Das hat den Vorteil, dass die einzelnen Orte gut miteinander vernetzt sind.

Einige Orte haben mich besonders beeindruckt. Ein Besuch dieser Orte sollte bei einem Trip durch den Ruhrpott unbedingt auf der Liste stehen.

Übrigens: Wer aus dem Süden in das Ruhrgebiet fährt, kann dies wunderbar mit einem Ausflug nach Wuppertal verbinden und dort eine Fahrt mit der 1901 eröffneten und unter Denkmalschutz stehenden Schwebebahn unternehmen. Mehr dazu erfährst du im Beitrag [Fahrt mit der Wuppertaler Schwebebahn (+ Video)].

Zeche Zollverein

Der Industriekomplex Zeche Zollverein ist ein riesiges Areal mitten in der Stadt Essen. Mit der Straßenbahn kann man den Ort bequem vom Hauptbahnhof aus erreichen.

Das Industriedenkmal ist heute UNESCO-Welterbe. Bis 1886 wurde hier Steinkohle abgebaut. Unmittelbar nebenan befindet sich die ehemalige Kokerei Zollverein. Kohle wurde zwischen den beiden Anlagen über große Förderbänder transportiert, die sich weitläufig über das ganze Gelände erstrecken.

Heute befinden sich hier Einrichtungen der Folkwang Universität der Künste sowie eine Vielzahl an Kultureinrichtungen wie Ausstellungen, Veranstaltungsorte und das Ruhr-Museum. Ein breit gefächertes natur- und kulturhistorisches Museum zur Geschichte des Ruhrgebiets.

Das Gelände kann komplett frei begangen und erkundet werden, was auch bei zügigem Gehen mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Der Außenbereich ist ständig frei zugängig und wird nicht geschlossen. Die Innenbereiche können teilweise im Rahmen von Führungen begangen werden und sich nicht frei zugänglich. Führungen zu unterschiedlichen Themen können direkt vor Ort im Besucherzentrum gebucht werden.

Leider sind die Führungen auch der einzige Weg, um ausführliche Informationen zu diesem eindrucksvollen Ort zu bekommen. Auf das Aufstellen von Informationstafeln wurde weitestgehend verzichtet und auch ein Audioguide ist nicht verfügbar. Wobei sich gerade Zweiteres super anbieten würde, um das Gelände auf eigene Faust zu erkunden.

Und gerade die Möglichkeit, das Areal zu Fuß und auf eigene Faust erkunden zu können machte für mich den größten Reiz des Ortes aus.

Mit einem Besuch im Museum, einer Führung, einem kleinen Mittagessen im Café und einem ausgedehnten Rundgang über das Gelände, ist ein Ausflug zur Zeche Zollverein tagesfüllend. Einen halben Tag sollte man für den Besuch aber mindestens einplanen.

Zeche Zollern

Die Zeche Zollern ist ein stillgelegtes Steinkohlebergwerk im Nordwesten von Dortmund. Die geradezu künstlerisch und filigran gebauten Backsteingebäude beeindrucken auf den ersten Blick.

Im Gegensatz zu Zeche Zollverein ist die Zeche Zollern ein klassisches Museum. Hier steht die Geschichte der Zeche und die Arbeit der Bergleute im Vordergrund. Zu den Öffnungszeiten können die Gebäude frei betreten werden. Diese sind weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten, sodass man einen tollen Eindruck erhält, wie damals gearbeitet wurde.

Eine Ausstellung vermittelt, wie sich die Arbeit in den Bergwerken des Ruhrgebiets entwickelt hat. Von den gefährlichen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen Ende des 19. Jahrhunderts und wie sich die Bergleute durch organisierte Arbeitskämpfe Arbeitsbedingungen erstritten, die auch dafür sorgten, dass die Leute nun stolz auf ihre Arbeit waren.

An Gebäuden und Maschinen sind Informationstafeln angebracht, die über deren Funktion und Geschichte informieren.

Highlight ist die Begehung des Förderturms, durch welchen die Bergleute in den Schacht einfuhren und die Kohle aus dem Untergrund nach oben gefördert wurde. Der Turm lässt sich bis zur Spitze begehen, von wo aus man einen tollen Blick über das gesamte Museum und die Umgebung hat.

Wer sich für den Bergbau im Ruhrgebiet im allgemeinen und für die Arbeit der Bergleute im Speziellen interessiert, sollte unbedingt einen Besuch der Zeche Zollern auf seine Liste setzen.

Schleusenpark Waltrop

Nur indirekt hat der Schleusenpark Waltrop mit dem Bergbau im Ruhrgebiet zu tun. Hier befinden sich vier Abstiegsbauwerke, die den Rhein-Herne-Kanal mit dem Dortmund-Ems-Kanal verbinden und dazu dienten, die Produkte des Ruhrgebiets zu transportieren.

Das älteste Bauwerk und Highlight des Parks ist, das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Schiffshebewerk. Um die Kapazität zu erhöhen und ein Backup für den Fall eines Ausfalls des Hebewerks zu haben, wurde dieses 1914 durch eine aufwändige und fast genauso beeindruckende Schachtschleuse ergänzt.

Durch die alte Schleusenkammer führt nun ein Weg. Es ist schon ein besonderes Gefühl durch die riesige Kammer zu gehen, rechts und links hohe Ziegelwände, die früher tausende Kubikmeter Wasser eingeschlossen haben. Damit der Kanal durch häufiges Schleusen nicht leer läuft, wurde hier das Konzept einer sogenannten Wassersparschleuse umgesetzt.

Das Wasser wurde beim Leerpumpen der Schleusenkammer nicht in den darunter liegenden Kanalabschnitt entlassen, sondern in große Speicherbecken neben der Schleuse gepumpt. Beim erneuten Füllen der Kammer wurde dieses Wasser wieder verwendet, anstatt Wasser aus dem oberen Kanalteil nachlaufen zu lassen. Die großen Speicherbecken sowie die Pumpen sind heute noch komplett vorhanden.

Nebenan befinden sich ein moderneres Hebewerk aus den 1960er Jahren und eine moderne Schleuse, über welche heute der komplette Schiffsverkehr abgewickelt wird.

Besonders gelungen fand ich die Umsetzung des Audioguides. An vielen Orten sind QR-Codes angebracht, die sich mit dem eigenen Handy scannen lassen. Dadurch wird eine Audiodatei abgerufen und abgespielt. Somit dient das eigene Smartphone als Audioguide.

Die alte Schachtschleuse liegt außerhalb des Parkgeländes und kann jederzeit besichtigt werden. Das alte Schiffshebewerk liegt auf dem Museumsgelände und kann zu den Öffnungszeiten besichtigt werden. Besonderes Highlight ist ein Aufstieg durch die beiden Türme auf die Stahlbrücke. Hier befindet man sich ganz oben auf dem Hebewerk und hat nicht nur einen tollen Blick auf die Konstruktion und Antriebstechnik, sondern auch auf die Umgebung.

Neben dem riesigen alten, aus einer vernieteten Eisenkonstruktion erstellten Hebewerk befinden sich noch weitere, zum Betrieb benötigte Gebäude auf dem Gelände.

Neben den vier Abstiegsbauwerken gibt es noch eine Vielzahl an Schiffen, die die Arbeit auf den Wasserwegen und den Transport der Güter des Ruhrgebiets bestimmten. Auch zu den einzelnen Schiffen sind Informationstafeln und Audioinformation zum Abruf mit dem Handy verfügbar.

Da ich mich grundsätzlich für die Geschichte der Schifffahrt interessiere, war ein Besuch im Schleusenpark Waltrop für mich selbstverständlich. Aber auch wenn man nicht speziell für dieses Thema interessiert, wird man das riesige alte Schiffshebewerk beeindruckend finden.

Der Schleusenpark Waltrop ist nicht nur ein spannendes Industriemuseum, das einen ganz speziellen Teil der Industriegeschichte des Ruhrgebiets erzählt. Er ist auch eine schöne Auflockerung, zwischen dem Besuch von Hochöfen und Bergwerken.

Landschaftspark Duisburg-Nord

Ganz anders und vielleicht noch beeindruckender als die Zeche Zollern ist der Landschaftspark Duisburg-Nord. Auch dieses Gelände kann frei und ohne Führung erkundet werden. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um ein ehemaliges Bergwerk, sondern um ein stillgelegtes Hüttenwerk. Also eine Anlage, in welcher in Hochöfen aus Eisenerz Eisen und Stahl erzeugt wurde.

Heute findet man hier eine Parkanlage, die eine besondere Landschaft, Natur und riesige Industrieanlagen vereint. Die künstlich angelegten Flächen der Industrieanlage sind nährstoffarm und besonders wasserdurchlässig, weshalb sich hier eine einzigartige Vegetation entwickeln konnte.

In den ehemaligen Kohle- und Erzbunkern befinden sich heute ein Klettergarten sowie eine Parkanlage mit Blumen und Pflanzen. Die sogenannten Bunkergärten.

Im ehemaligen Gasometer befindet sich ein mit 20.000 Kubikmeter Wasser gefüllter Tank, der von Tauchern genutzt wird. Außerdem gibt es Spiel- und Grillplätze und mehrere Kioske.

Das auf dem Gelände entstehende Oberflächenwasser wird aufgefangen und in verschiedenen Behältern gesammelt. Beispielsweise in den alten Klärbecken, oder auch in tiefer gelegenen Bereichen der Kohle und Erzbunker. Dies fällt auf, da einige Bereiche dieser Anlagen überflutet werden. Dieses Wasser wird dann genutzt, um Wasserverlust in der renaturierten Alten Emscher auszugleichen.

Highlight des Parks ist der begehbare Hochofen 5. Der Zugang ist kostenlos und eine Führung ist ebenfalls nicht notwendig. Sowohl das Geländer, als auch der Hochofen kann frei und auf eigene Faust erkundet werden. Allerdings wird der Zugang zum Hochofen bei Dunkelheit und schlechtem Wetter verschlossen.

Hier verfolgt man den Weg der Kohle und der Erze, die zuerst über eine Förderanlage zur Spitze des Hochofens befördert wurden und dort in einer genau berechneten Reihenfolge und Menge eingefüllt wurden. Der Weg führt dabei abwechselnd durch enge Gänge direkt um die Wände des Hochofens und große Freiflächen und Plattformen.

Mit einer Vielzahl an Informationstafeln wird die Funktion der Anlage vermittelt. Über Stege und Treppen kann die komplette Anlage begangen werden und bis zur höchsten Plattform ganz oben auf dem Hochofen bestiegen werden. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick über den Park und die Umgebung. Und man sieht erst, wie riesig die Anlage wirklich ist und welche Ecken man noch besuchen sollte.

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