Mit Langzeitbelichtungen lassen sich tolle Effekte bei einem Foto erzeugen. Beispielsweise weich fließendes Wasser oder Sternbahnen am Himmel.

Was ist Langzeitbelichtung?

Bei einem normalen Foto, das am hellen Tag aufgenommen wird, hat man eine sehr kurze Verschluss- bzw. Belichtungszeit. In solchen Fällen beträgt die Belichtungszeit lediglich einige Sekundenbruchteile, beispielsweise 1/60 Sekunde oder 1/200 Sekunde. Die Belichtungszeit beeinflusst also, neben der Blende, wie viel Licht während des Fotografierens auf den Sensor der Kamera fällt.

Bei einer Langzeitbelichtung sorgt man dafür, dass das Bild sehr viel länger belichtet wird. Die Belichtungszeit kann dabei 30 Sekunden, eine Minute oder auch viele Stunden betragen.

Dies sorgt dafür, dass man beispielsweise die Sterne am Nachthimmel nicht als Punkte sieht, sondern als lange Lichtlinien, da sich die Erde unter den Sternen hinwegdreht.

Probleme bei Langzeitbelichtung

Das Fotografieren mit Langzeitbelichtung ist komplizierter als das Aufnehmen von Schnappschüssen im Automatikmodus. Daher sind diese Dinge besonders wichtig, wenn man Aufnahmen mit Langzeitbelichtung macht.

Durch die lange Belichtungszeit fällt viel Licht auf den Sensor. Bei einer richtigen Kamera schließt man daher die Blende, wenn man mit langen Belichtungszeiten arbeitet. Ein Filter vor dem Objektiv kann die Menge des einfallenden Lichts weiter reduzieren. Beides ist bei Smartphones normalerweise nicht möglich. Smartphones haben fast immer eine feste Blende und aufsteckbare Filter sind für Smartphones nicht üblich. Wirklich lange Belichtungszeiten sind mit dem Smartphone daher kaum möglich.

Durch die lange Verschlusszeit verwackeln Bilder leicht. Für Bilder mit langer Belichtungszeit sollte man daher ein Stativ verwenden.

Um ein schönes Bild zu erhalten, muss man mit der Belichtungszeit experimentieren. Je schneller sich das Objekt bewegt, desto kürzer kann die Belichtungszeit sein. Während man die Sterne mit einer Belichtungszeit von mehreren Stunden fotografieren kann, reichen bei fließenden Wasser wenige Sekunden.

Echte Langzeitbelichtung mit Smartphones wegen fester Blende schwer möglich

Mit der Blende vergrößert man die Öffnung des Objektivs. Bei einer weit geöffneten Blende fällt somit auch in relativ kurzer Zeit viel Licht auf den Sensor. Verkleinert man die Öffnung, so fällt weniger Licht auf den Sensor. Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben Smartphones eine feste Blende.

Das bedeutet, dass man die Menge an Licht, die auf den Sensor der Smartphonekamera fällt, nur über die Belichtungszeit regeln kann. Dies sorgt dafür, dass Fotos mit Langzeitbelichtung auf dem Smartphone schnell überbelichtet werden.

Schießt man mit dem Smartphone tagsüber ein Foto mit einer Verschlusszeit von einer Sekunde, so wird auf dem Foto kaum mehr als eine weiße Fläche zu sehen sein. Man kann etwas mit dem ISO-Wert gegensteuern, aber viel hilft das nicht.

Fotos mit echter Langzeitbelichtung lassen sich mit dem Smartphone daher nur bei Dunkelheit machen.

überbelichtetes Foto
Erhöht man die Verschlusszeit, wird das Foto sehr schnell überbelichtet

Fotos mit Langzeitbelichtung mit dem Smartphone machen

Trotz dieser Einschränkung sieht man häufig langzeitbelichtete Fotos, die mit dem Smartphone gemacht wurden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei aber nicht um echte langzeitbelichtete Fotos.

Stattdessen bedienen sich die Foto-Apps auf dem Smartphone eines Tricks. Statt ein einzelnes Foto mit einer sehr langen Belichtungszeit zu erstellen werden viele Bilder mit relativ kurzer, bzw. unterschiedlich langer Belichtungszeit aufgenommen.

Die Software vergleicht diese einzelnen Bilder und erkennt die Veränderungen. Aus diesen Informationen erzeugt die Software dann ein Foto, mit denselben Effekten wie bei einer echten Langzeitbelichtung. Beispielsweise weich fließendes Wasser oder Bahnen von Sternen am Nachthimmel.

Das Ganze ist in etwa so, wie wenn man mehrere Bilder übereinander legt. Statische Elemente, wie die Landschaft, sind auf allen Bildern gleich. Bei Elementen die sich bewegen, beispielsweise Wasser, entsteht ein Effekt.

Tatsächlich handelt es sich also um ein Foto mit Langzeitbelichtungseffekt.

Wasser fotografiert mit Langzeitbelichtung

Apps für echte Langzeitbelichtung auf dem Smartphone

Technisch ist ein Foto mit echter Langzeitbelichtung auf dem Smartphone natürlich möglich, wenn auch schwierig und sehr von den Lichtbedingungen abhängig. Daher unterstützen die Foto-Apps auf den Smartphones in der Regel keine manuelle Anpassung der Belichtungszeit.

Allerdings gibt es in den App-Stores eine Reihe von Foto-Apps, die genau das trotz der Schwierigkeiten ermöglichen.

Wer ein Android-Smartphone verwendet, kann beispielsweise die App ProCam X – Lite verwenden.

Auf einem Apple iPhone kann man mit der App ProCam die Belichtungszeit manuell einstellen.

Apps für Fotos mit Langzeitbelichtungseffekt für das Smartphone

Für die meisten Leute ist eine spezielle App, die Fotos mit Langzeitbelichtungseffekt erzeugt. Wohlgemerkt handelt es ich dabei nicht um Fake-Effekte, bei denen die Software irgendeinen Effekt erzeugt. Die Bildinformationen für den Langzeitbelichtungseffekt werden den tatsächlich aufgenommenen Fotos entnommen.

Das bedeutet, auch hier muss man viele Sekunden, Minuten oder Stunden ein Bild aufnehmen. Ganz wie bei echter Langzeitbelichtung. Der Unterschied ist nur, dass nicht nur ein Foto, sondern über einen langen Zeitraum viele Fotos aufgenommen und dann kombiniert werden.

Während es für das iPhone eine Reihe hochwertiger Apps für diesen Zweck gibt, ist das Angebot bei Android leider sehr überschaubar. Jedenfalls ist es mir nicht gelungen eine gute App für Android zu finden, die Fotos mit einem Langzeitbelichtungseffekt erzeugt. Für Tipps wäre ich daher dankbar.

Die Apps Slow Shutter Long Exposure Camera und Long Exposure Camera 2 bieten grundsätzlich diese Funktionalität. Allerdings zeigen beide Apps sehr aggressiv Werbung an, die sich auch nicht gegen Bezahlung deaktivieren lässt. Auch mit den Fotos war ich nicht besonders zufrieden. Eventuell lässt sich mit diesen Apps auf einem anderen Smartphone jedoch ein besseres Ergebnis erzielen.

Mit dem iPhone kann man tolle Fotos mit Langzeitbelichtungseffekt machen, indem man die Live-Foto-Funktion von iOS aktiviert. Anschließend öffnet man das Bild in der Fotos-App und zieht das Bild mit dem Finger nach oben. Dann wird eine Liste mit verfügbaren Effekten eingeblendet. Unter anderem die Langzeitbelichtung.

Alternativ bietet sich auf dem iPhone die App Slow Shutter an, die ebenfalls tolle Fotos mit Langzeitbelichtung auf dem iPhone macht.

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