Vor einiger Zeit hatte ich den dringenden Wunsch mal wieder das Meer zu sehen. Da ich, wie fast immer, mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein wollte, war etwas Planung nötig.

Denn einerseits wollte ich die Zeit nicht stationär in einem Hotel am Strand verbringen. Andererseits ist das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln in ländlichen Gebieten immer recht zeitaufwändig.

Nach einiger Recherche, habe ich mich für eine Woche in Husum entschieden, da ich die Stadt für den perfekten Ausgangspunkt für Nordseeausflüge mit öffentlichen Verkehrsmitteln halte.

Karte der Nordsee-Ausflüge ab Husum

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Auf dem Weg nach Husum – Städtetrip Hamburg

Wenn man nicht aus Norddeutschland kommt, wird einen der Weg mit dem Zug nach Husum unweigerlich durch Hamburg führen.

Da Hamburg meiner Meinung nach eine der schönsten und abwechslungsreichsten Städte Deutschlands ist, bietet es sich an, hier für ein- bis zwei Tage einen Stopp einzulegen.

Das maritime Flair genießen, durch das Schanzenviertel schlendern, eine Vielzahl an Museen zu den unterschiedlichsten Themen besuchen. In Hamburg kann es eigentlich nicht langweilig werden. Egal, wie oft man die Stadt besucht.

Besonders wenn man sich, so wie ich, für Schiffe und Seefahrt interessiert, hat Hamburg unglaublich viel zu bieten. Und obwohl ich schon oft in der Stadt war, gehen die Sehenswürdigkeiten nicht aus. So war ich diesmal beispielsweise am Museumshafen Oevelgönne, der eine Vielzahl alter, restaurierter Schiffe beherbergt und der mir bisher komplett entgangen ist.

Husum – Perfektes Zentrum für Nordsee-Ausflüge mit dem ÖPNV

Von Hamburg geht es in rund zwei Stunden mit dem IC nach Husum. Husum ist eine der wenigen Städte, die direkt am Meer liegt und an den Fernverkehr angeschlossen ist. Außerdem hat man von dort aus eine gute Anbindung an die umliegenden Städte und Dörfer mit dem Regionalverkehr. Dadurch wird Husum zum perfekten Zentrum, wenn man verschiedene Ausflüge an der Nordsee plant und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist.

Mit knapp 24.000 Einwohnern ist Husum eine eher beschauliche Stadt, die man prima zu Fuß erkunden kann. Trotzdem ist sie groß genug, um selbst einige Sehenswürdigkeiten und eine große Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten und vielfältige Gastronomie zu bieten.

Insbesondere bei schönem Wetter versammeln sich die Menschen am Binnenhafen, der von einer Vielzahl an Restaurants und Bars umsäumt wird. Hier befindet sich auch das Schifffahrtsmuseum Nordfriesland.

Ein kleiner Spaziergang führt einen zum Schlosspark und dem „Schloss vor Husum“. Zwar befindet sich das Schloss heute mitten in der Stadt, das war jedoch nicht immer so. Als das Schloss erbaut wurde, lag es vor der Stadtgrenze. Daher der Name.

Etwa 3 Kilometer lang ist der Fußweg entlang der Husumer Au bis zur Nordsee. Der Weg führt am Außenhafen vorbei, wo man Krabbenkutter und kleinere Frachter Be- und Entladen werden. Entlang des Fußwegs wurden mehrere Tafeln aufgestellt, die über die Geschichte des Deichbaus informieren. Je weiter man dem Weg folgt, desto stärker weht einem der Nordsee-Wind ins Gesicht. An der Landspitze angekommen, hat man einen wunderbaren Blick auf das Meer und die Halbinsel Nordstrand.

Halbinsel Nordstrand und Halligen

Nordstrand ist eine eingedeichte Halbinsel, welche direkt im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Wenn man gerne zu Fuß unterwegs ist, empfehle ich, die rund 10 Kilometer entlang der Küste und über den Deich zu laufen. Auch hier informieren Infotafeln über den Bau des Damms und des Beltringharder Koogs, der die ehemalige Insel zu einer Halbinsel machte. Der größte Teil von Nordstrand ist landwirtschaftliche Nutzfläche und besteht aus Feldern. Alternativ gibt es die Buslinie R140, die alle zwei Stunden von Husum Bahnhof nach Nordstrand fährt.

Ein weiteres Highlight war für mich der Lorendamm nach Nordstrandischmoor. Die Hallig Nordstrandischmoor ist durch einen kleinen Damm mit Nordstrand verbunden. Der Damm darf zwar nicht betreten werden, sodass man nicht zu Fuß nach Nordstrandischmoor kommt. Allerdings wurden Schienen mit einer winzigen Spurweite von 600 mm auf dem Damm verlegt. Die Schienen dienen eigentlich zum Transport von Baumaterial zur Instandhaltung des Damms. Er wird allerdings auch von den Inselbewohnern mit kleinen Loren befahren.

Dafür besitzt jeder Haushalt eine eigene kleine Lore, welche ausschließlich für den Eigenbedarf der Inselbewohner und deren Gäste dient. Mit etwas Glück sieht man eines der kleinen Schienenfahrzeuge über den Damm ruckeln.

Ausgangspunkt zu den Nordfriesischen Inseln und Hallig Hooge

Nordstrand ist der ideale Ausgangspunkt für einen Besuch der größeren Inseln vor der Küste, sowie der Hallig Hooge. Es gibt eine regelmäßige Busverbindung vom Bahnhof Husum zum Fähranleger auf Nordstrand, die Busfahrt dauert knapp 50 Minuten. Vom Fähranleger Nordstrand bieten die Adler Schiffe bieten regelmäßige Schiffsverbindungen zur Insel Pellworm, Amrum, Sylt, sowie Hallig Hooge.

Friedrichstadt

Nur eine Station und knapp 10 Minuten dauert die Zugfahrt von Husum nach Friedrichstadt, das mit knapp 3000 Einwohnern tatsächlich eine Stadt ist. Sie liegt zwischen den Flüssen Eider und Treene und ist von einer Vielzahl an Grachten durchzogen. Die Bauten der niederländischen Backsteinrenaissance prägen das Stadtbild bis heute. Aus diesem Grund wird Friedrichstadt auch die Holländerstadt genannt und verströmt den Charme eines verkleinerten Amsterdams. Und natürlich werden auf dem Marktplatz auch holländische Spezialitäten verkauft.

Am besten lässt sich die Stadt mit dem Boot erkunden. Entweder auf eigene Faust mit einem Kanu, Tretboot oder Elektroboot. Oder mit einer Rundfahrt mit Touristenführer. Der Ort ist unglaublich malerisch und sollte definitiv auf dem Ausflugsprogramm stehen.

Sylt

Sylt ist die größte der nordfriesischen Inseln und eines der beliebtesten Urlaubsziele in Deutschland. Durch einen Damm ist die Insel mit dem Festland verbunden und kann bequem mit dem Zug erreicht werden.

Von Husum dauert es rund eine Stunde mit dem Zug nach Westerland, welches direkt an der Westküste der Insel liegt. Allerdings ist Westerland auch echtes Tourismus-Zentrum. Hier gibt es große Fußgängerzonen in der sich Geschäfte, Bars und Kaffees aneinanderreihen. Daneben befinden sich Hotel- und Apartmentblocks. Der Strand wird komplett bewirtschaftet und um das Meer überhaupt zu erreichen, ist eine Tourismusabgabe fällig. Der Reiz von Westerland hat sich mir nicht erschlossen, aber Geschmäcker sind eben verschieden.

Aus diesem Grund habe ich mich auf den Weg nach Morsum gemacht, welches an der Ostspitze der Insel liegt und ebenfalls über einen Bahnhof verfügt. Man liest viel davon, wie vielfältig Sylt ist. Und genau diese Vielfalt erfährt man, wenn man von Westerland nach Morsum fährt.

Während Westerland eher einem Tourismus-Zentrum an der spanischen Küste gleicht, ist das nur 10 Kilometer entfernte Morsum ein malerisches Dorf direkt an einem Naturschutzgebiet. Hier kann man stundenlang durch Schilfwiesen mit Blick auf das Wattenmeer laufen.

Sylt scheint tatsächlich beides zu ermöglichen. Touristischer Trubel und naturnahe Ruhe.

St. Peter Ording

Bereits die rund 50-minütige Zugfahrt von Husum nach St. Peter-Ording ist spannend. Mit einem kleinen, dieselbetriebenen Triebwagen geht es quer durch das Marschland. Oft grasen die Kühe nur wenige Meter vom Zugfenster entfernt und lassen sich durch das Gefährt keineswegs aus der Ruhe bringen. Es fühlt sich oft so an, als würde der Zug einfach direkt über die Wiesen fahren.

Viele Haltestellen sind so klein, dass dort nur auf Anforderung gehalten wird. Hierfür muss eine Stopp-Taste gedrückt werden, wie man sie aus Bussen kennt.

Der Weg von der Endhaltestelle Bad St. Peter-Ording an die Küste, führt über Sandwege durch einen kleinen Wald. Bereits der Weg ist so entspannt, wie der ganze Ort.

Bekannt ist die Stadt vor allem für seine charakteristischen Pfahlbauten am Strand. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Bars- und Restaurant, sowie Toiletten und Häuschen für die Strandaufsicht, die zum Schutz vor Überflutung auf Pfählen gebaut wurden.

St. Peter-Ording ist ein perfekter Platz, um die Vielfalt der Nordseeküste an einem Ort zu erleben. Die Gemeinde verfügt über kilometerlange Sandstrände. Durch einen breiten Dünengürtel wird der Ort an vielen Stellen vom Meer getrennt.

Vor dem Deich haben sich große Salzwiesen gebildet. Wiesen, die immer wieder vom Meer überflutet werden und dadurch einen hohen Salzgehalt im Boden haben. Überflutung und Salz führen dazu, dass sich hier eine einzigartige Vegetation bildet.

Außerdem liegt der Ort direkt im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und natürlich werden hier auch die berühmten Wattwanderungen angeboten.

Fazit

Wie so oft wird man durch fehlende Zeit und nicht durch fehlende Möglichkeiten begrenzt. Denn dieser Artikel könnte noch deutlich länger sein.

Wenn man im Urlaub mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein möchte, ist etwas Planung sinnvoll, um nicht unnötig viel Zeit mit schlechten Busverbindungen zu verbringen. Durch die IC-Anbindung ist Husum gut mit dem Fernverkehr erreichbar. Regionalbahnen und Busse bringen einen schnell und einfach zu Zielen im Umland.

Außerdem ist Husum groß genug, um eine große Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Preisklassen zu bieten. Zudem gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten und ein umfangreiches gastronomisches Angebot.

Darüber hinaus liegt die Stadt in unmittelbarer Nähe zu den nordfriesischen Inseln und Halligen. Und ist obendrein selbst direkt am Meer.

Kurzum, Husum ist das perfekte Zentrum, wenn man einen Nordsee-Urlaub mit vielen Ausflügen plant und hierfür öffentliche Verkehrsmittel nutzen möchte.

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