Den meisten ist Schwerin wahrscheinlich wegen des beeindruckenden Schlosses bekannt. Und, weil es die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern ist. So ging es mir auch, und weil ich der Meinung war, dass Schwerin schon eine Reise wert ist um das Schloss zu sehen, habe ich mich in einer freien Woche aufgemacht, um der Stadt einen Besuch abzustatten und zu sehen, welche Sehenswürdigkeiten Schwerin zu bieten hat.

Wie ich Schwerin erlebt habe und welche interessanten Orte es in Schwerin außer dem Schloss zu sehen gibt, möchte ich in diesem Beitrag berichten.

Schwerin, die Stadt

Schwerin ist die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern und die zweitgrößte Stadt im Bundesland, nach Rostock. Trotzdem ist die Stadt mit etwa 95.000 Einwohnern eher klein, besonders für eine Landeshauptstadt. Und tatsächlich, Schwerin ist auch die kleinste aller Landeshauptstädte Deutschlands.

Von der Ostsee ist Schwerin ca. 30 Kilometer Luftlinie entfernt. Das direkt an der Ostsee gelegene und ebenfalls wunderschöne Wismar erreicht man in ca. 30 Minuten mit dem Zug. Rostock ist etwa eine Stunde mit dem Zug entfernt. In Rostock war ich übrigens auch. Den Bericht zu dieser spannenden Stadt findest du unter [Rostock – Wo Altes eine neue Aufgabe bekommt]

Die Stadt dehnte sich mit der Zeit immer weiter um das Schloss aus, dass auf einer Insel im Zentrum von Schwerin liegt und seit 1990 der Sitz des Landtags ist. Innerhalb des Stadtgebiets befinden sich ganze zwölf Seen.

Mehr Wikipedia-Wissen will ich an dieser Stelle gar nicht wiedergeben und stattdessen von meinen Eindrücken berichten, was es sehenswertes in Schwerin gibt und ob sich ein Schwerin-Urlaub lohnt.

Mit dem Zug von Stuttgart nach Schwerin

Natürlich habe ich mich für die Anreise mit dem Zug entscheiden. Da ich in Stuttgart wohne, bedeutet das eine Fahrt durch ganz Deutschland. Sehr viel weiter geht nicht.

Mit dem ICE erreicht man Schwerin in ca. 7,5 Stunden, das bedeutet aber zweimal Umsteigen. Allerdings gibt es eine einzige Direktverbindung mit einem Intercity. Dieser ist stattliche neun Stunden unterwegs, dafür muss man nicht umsteigen. Da ich Zeit hatte, habe ich mich für den langsameren IC entschieden und es mir in meinem Sitz gemütlich gemacht, indem ich nun die nächsten neun Stunden verbringen würde. Unterwegs stellte ich fest, dass dies derselbe Zug ist, mit dem ich auch schon nach Bremen gefahren bin [Kurztrip in das maritime Bremen & Bremerhaven]. Nur dass ich nun nicht in Bremen aussteige, sondern weiterfahre. Das Tolle an diesem Zug ist, dass er über mehrere Stunden am Rhein entlang fährt, eine wirklich malerische Strecke mit vielen Burgen.

Mit einem Buch, mehreren Podcasts und Filmen habe ich die Fahrt entspannt überstanden und sogar genossen. Glücklicherweise habe ich alles noch vor der Abfahrt heruntergeladen, denn im IC gibt es bisher noch kein WLAN. Für die neunstündige Zugfahrt habe ich mir ein 1. Klasse-Ticket gegönnt. Das bedeutet genug Platz für die Beine und das Handgepäck vor dem eigenen Sitz. Dabei hat die Fahrt gerade einmal 54 € gekostet. Da soll mir noch jemand sagen, er fährt nicht mit dem Zug, weil das so teuer ist. Mit dem Auto reichen 54 € gerade einmal für den Sprit für die halbe Strecke, ganz abgesehen von Kosten wie Verschleiß etc.

Endlich angekommen

Auch wenn ich es entspannt fand, mich neun stunden lang vom Zug durch die Nation fahren zu lassen, war ich doch froh, als ich am späten Nachmittag in Schwerin ankam. Nach neuen Stunden sitzen, wollte ich vor allem meine Beine bewegen. Daher habe ich schnell im Hotel eingecheckt, dass direkt am Bahnhof lag, mein Gepäck auf das Zimmer gebracht und bin losgelaufen.

Dabei bin ich bewusst nicht in Richtung des Schlosses gegangen, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Dabei bin ich sofort an einen der Seen gestoßen. Der Pfaffenteich, der, wie der Name schon andeutet, eher ein Teich als ein See ist. Trotzdem gibt es eine kleine Fähre, die vier Anlegeplätze auf dem See anfährt.

Vom Pfaffenteich bin ich weiter Richtung norden gegangen und habe den nächsten See umrundet und die Wohngebiete in der Gegend angeschaut. Wenn ich eine Stadt besuche, möchte ich immer gerne auch die Stadt sehen und nicht nur touristische Hotspots auf einer Liste abhaken. Dabei bin ich ständig wieder an einen der Seen gekommen. Obwohl Schwerin nicht am Meer liegt, ist es quasi von Wasser umgeben. In manchen Ecken fühlt man sich fast ein bisschen wie in Stockholm.

Nun wurde es langsam Abend und ich wurde müde und hungrig. Daher ging ich noch ein paar Getränke und Snacks einkaufen, holte mir einen Döner und ging zurück ins Hotel.

Das Schweriner Schloss & Schlossgarten

Das Schweriner Schloss ist eines der prächtigsten Schlösser Deutschlands. Es liegt auf einer Insel mitten in der Stadt, der Schlossgarten ist über eine Brücke erreichbar. Heute ist das Schloss Sitz des Landtags. Ein Teil des Schlosses beherbergt das Schlossmuseum und ist zugänglich. Das Museum erstreckt sich über drei Etagen und zeigt Gemälde, Skulpturen, alte Waffen, Porzellan etc. aus der Schweriner Geschichte. Die meisten Besucherinnen und Besucher dürften aber daran interessiert sein, die Räume des Schlosses zu sehen. Tatsächlich habe ich mich entschieden, auf einen Besuch im Schlossmuseum zu verzichten. Mich hat die lange Schlange am Eingang abgeschreckt. Außerdem habe ich schon so viele Schlösser von innen gesehen und erinnere mich bei kaum einem noch daran, wie es innen aussieht.

Stattdessen habe ich mich auf einen Rundgang um das Schloss gemacht und anschließend zum Schlossgarten. Der großzügige, im Stil eines englischen Landschaftsparks angelegte Schlossgarten ist von vielen Wasserflächen durchzogen. Er war Teil der BUGA 2009, wovon noch einige Bauten sichtbar sind.

Schleifmühle am Faulen See

Sehr fasziniert hat mich die Schleifmühle am Faulen See. Es handelt sich um ein Museum, das die Geschichte des Gebäudes behandelt.

Ursprünglich als normale Mühle erbaut, wurde das Gebäude Mitte des 18. Jahrhunderts zur Schleifmühle umgebaut. Hier wurden große Steinblöcke zu Platten gesägt und die Oberflächen geschliffen, bis sie glänzten. Insbesondere die Baustelle des Schweriner Schlosses, das von 1700 bis 1850 umgestaltet wurde, wurde von der Schleifmühle beliefert. Aber auch Steinsärge und Tischplatten für andere Zwecke wurden hier hergestellt.

Das Zersägen der Steinblöcke dauerte viele Monate und erforderte viel Handarbeit. Das anschließende Schleifen bzw. Polieren der Steinplatten dauerte noch länger.

Das besondere ist, dass man die komplette Anlage heute noch in Betrieb sehen kann. Das große Wasserrad das die Steinsäge und Poliermaschine antreibt, wurde wieder in einen funktionsfähigen Zustand versetzt und wird bei einem Museumsbesuch in Betrieb genommen. Erstaunlich ist der Lärm, der in der Säge herrscht, wenn diese aktiv ist. In dieser Umgebung mussten mehrere Mitarbeiter ständig Wasser zum Kühlen und Schleifmittel auf die Säge geben. Und das Tag für Tag und Monat für Monat, bis der Steinblock durchgesägt war. Es beeindruckt mich auch immer wieder, wie viel Kraft ein solches Wasserrad erzeugt.

Schweriner Dom

Weithin sichtbar ist der Schweriner Dom. Vom Pfaffensee aus hat man einen wunderbaren Blick über das Wasser auf den Dom, der das einzige erhaltene mittelalterliche Gebäude Schwerins ist. Er ist ein Bauwerk der Backsteingotik, die man in dieser Gegend Deutschlands öfter sieht. Aufgrund der Dominanz im Stadtbild musste ich diesem Gebäude natürlich auch einen Besuch abstatten.

Schelfstadt

Die Schelfstadt ist das historische Stadtviertel von Schwerin. Hier findet man reihenweise alte Fachwerkhäuser, die weitgehend erhalten und saniert wurden. Besonders empfehlenswert ist ein Gang durch die Münzstraße. Neben malerischen Wohnhäusern findet man auch die barocke Schelfkirche in diesem Stadteil. Ebenso das ehemalige E-Werk, ein Backsteinbau der heute als Theater dient. Obwohl es sich um ein Industriegebäude handelt, ist es ein unglaublich malerisches Bauwerk mit mehreren Türmchen, das heute unter Denkmalschutz steht.

Weitere Gebäude

Bei einem Rundgang durch die Stadt wird man über eine Vielzahl von Gebäuden stolpern, vor denen man verwundert oder bewundernd stehen bleibt. Beispielsweise das schiefe, kleine Fachwerkhaus in der Altstadt. Oder das beeindruckende Staatstheater und das Staatliche Museum, die sich direkt gegenüber dem Schloss befinden. Auch das auffällig orange Arsenal am Pfaffensee, das heute das Innenministerium beherbergt, sticht sofort ins Auge. Überhaupt sind klassizistische Repräsentativbauten typisch für Schwerin. Sogar die Landesbibliothek ist in einem durchaus repräsentativen Gebäude untergebracht. Ganz zu schweigen von dem eindrucksvollen roten Ziegelbau, wo heute das Finanzamt untergebracht ist und welcher ursprünglich als Kaserne errichtet wurde. Für Leute wie mich, die schöne Stadtbilder mögen und einfach gerne durch Städte laufen, gibt es in Schwerin viel zu entdecken und bewundern.

Freilichtmuseum Schwerin-Mueß

Wenn es ein Freilichtmuseum in der Nähe gibt, dann muss ich dorthin. Ich bin ein riesen Fan von Freilichtmuseen. Bücher, Dokumentation usw. sind wunderbar um Wissen zu vermitteln. Aber ein Freilichtmuseum ist für mich wirklich erlebte Geschichte. Durch die verschiedenen Gebäude zu wandern und sich vorzustellen wie Menschen hier ihr Leben gelebt und ihre Arbeit verrichtet haben, ist für mich immer wieder beeindruckend.

Das Schweriner Freilichtmuseum informiert insbesondere über die Lebensweise der mecklenburgischen Landbevölkerung ab dem 17. Jahrhundert. Auf dem knapp sieben Hektar großen Gelände befindet sich ein Dorfareal aus 17 museal eingerichteten Gebäuden und Objekten. Außerdem gibt es einen Kiosk mit Sitzgelegenheiten und einen Spielplatz für Kinder.

Rückblick

Das schöne an Städtetrips ist, dass man kaum enttäuscht werden kann. Jede Stadt, egal wie groß oder klein hat ihre schönen Seiten und man hat Zeit, diese auch zu entdecken. Bei Schwerin muss man nicht einmal suchen, um die schönen Seiten zu finden. Ausgehend vom Hauptbahnhof kann man sich in jede Richtung bewegen und man stößt früher oder später auf eindrucksvolle Gebäude oder an einen See und ausgedehnte Parkanlagen.

Allerdings fühlt sich Schwerin doch ziemlich klein an, was es mit etwa 95.000 Einwohnern ja auch ist. Dass sich praktisch keine großen Hotelketten in Schwerin niedergelassen haben legt den Verdacht nahe, dass viele Menschen nur einen Tagesausflug nach Schwerin machen und nicht länger hier bleiben. Tatsächlich kann man an einem Tag die eigentliche Kernstadt mit ihren Bauwerken entdecken und das Schloss besichtigen.

Einen weiteren Tag in Schwerin kann man gut mit Museumsbesuchen füllen und eine Rundfahrt mit dem Schiff unternehmen. Wer sich für die vielen kulturellen Angebote der Stadt interessiert, oder es grundsätzlich lieber gemütlich angehen, lässt der kann seinen Schwerin-Aufenthalt auch problemlos auf mehrere Tage ausdehnen. Auch ein Tagesausflug nach Wismar bietet sich an, leider hat mir dafür die Zeit gefehlt.

Vor allem wird mir der „luftige“ Stadtkern in Erinnerung bleiben, wo man nach kurzen Strecken immer wieder auf Wasserflächen stößt. Und Schwerin ist klein, gemütlich und entspannt, was für eine Landeshauptstadt durchaus bemerkenswert ist.

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