Große Maschinen und komplexe Technik hat mich schon immer fasziniert. Bagger und andere Maschinen die im Tagebau eingesetzt werden, gehören ohne Zweifel zu den größten je gebauten Maschinen und diese Geräte wollte ich schon lange in echter Größe sehen.

Als ich eine Woche in Leipzig war, habe ich daher auch die Gelegenheit genutzt und mir einige dieser Maschinen angeschaut.

Direkt vor den Toren Leipzigs liegt der Bergbau Technik Park, in welchem man zwei Tagebau-Großgeräte besichtigen kann. Nur rund eine Stunde Zugfahrt entfernt liegt Ferropolis, wo man gleich fünf solcher Geräte bestaunen kann.

Und nach dem Besichtigen der Maschinen liegt es natürlich nahe, auch deren Wirkungsstätte zu besuchen. Einen Tagebau.

Bergbau-Technik-Park und Ferropolis

Im Leipziger Seenland, nur wenige Kilometer südlich von Leipzig, liegt der Bergbau-Technik-Park. Ferropolis liegt rund 45 Kilometer Luftlinie nördlich von Leipzig nahe der Stadt Gräfenhainichen. In beiden Parks lassen sich mehrere Tagebau-Großgeräte besichtigen.

Beide Standorte haben gemeinsam, dass sie sich in einer vom Tagebau gestalteten Landschaft befinden. Das Leipziger Seenland wurde durch die Baggerarbeiten im ehemaligen Großtagebau Espenhain geschaffen. Ferropolis befindet sich auf einer Halbinsel in einem See, der durch den Tagebau Golpa-Nord entstand.

Wie so viele Museen lassen auch diese beiden das Fotografieren nur zu privaten Zwecken zu und nicht zur Veröffentlichung, sodass ich mich hier auf Aufnahmen von außerhalb des Geländes beschränke.

Der Bergbau-Technik-Park (offizielle Homepage) ist kleiner, aber nicht weniger sehenswert als Ferropolis. Der Park präsentiert den gesamten Arbeitszyklus eines Braunkohletagebaus. Angefangen von vorbereitenden Arbeiten und dem Abriss von Siedlungen, über Entwässerungsmaßnahmen, dem eigentlichen Abbau der Kohle, Transport von Abraum und Kohle, sowie Renaturierungsmaßnahmen. Eine Vielzahl an ausführlichen Schautafeln informiert über die Aufgaben und Funktion der ausgestellten Maschinen und Geräte.

Die Highlights unter den Ausstellungsstücken sind die beiden bereits von weitem sichtbaren Großgeräte. Ein Schaufelradbagger auf riesigen Raupenketten, sowie ein Absetzer, der früher zur gezielten Ablagerung von Abraum diente. Leider können beide Maschinen nur von außen besichtigt und nicht begangen werden.

Anfahrt mit dem ÖPNV zum Bergbau-Technik-Park

Der Park liegt etwas außerhalb der Stadt, die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist immer mit einem Fußweg verbunden. Zuerst fährt man mit der S-Bahn zur Haltestelle Markkleeberg. Wer will, kann von dort in etwa 1,5-2 Stunden durch den Wald entlang des Markkleeberger Sees zu Fuß zum Bergbau-Technik-Park gehen.

Alternativ fährt die Buslinie 106 (Richtung Auenhain Kanupark, Markkleeberg) vom Bahnhof Markkleeberg zur Haltestelle Auenhain Kanupark. Auch von dort sind es noch ca. 30 Minuten Fußweg.

Ferropolis (offizielle Homepage von Ferropolis) ist komplett anders aufgebaut. Es handelt sich um eine Mischung aus Veranstaltungsort und Museum. Die fünf Großgeräte sind um eine Y-förmige Arena aufgestellt, die für Konzerte und Festivals mit bis zu 25.000 Besuchern genutzt wird.

In Ferropolis kann man zwei Eimerkettenbagger, einen Schaufelradbagger und zwei Absetzer besichtigen. Einer der Absetzer kann begangen werden, wobei der Rundgang auch durch die Maschinenhäuser auf der Anlage führt. Auf einem der Eimerkettenbagger ist eine Aussichtsplattform eingerichtet, die mit einem Aufzug auch barrierefrei erreichbar ist.

Ich empfehle unbedingt den Audioguide an der Kasse auszuleihen. Denn Informationstafeln zu den einzelnen Maschinen gibt es nur vereinzelt und auch diese enthalten vor allem technische Daten. Weitere Informationen zu den Schwierigkeiten und dem Betrieb der Maschinen im Arbeitsalltag erfährt man nur mit dem Audioguide. Zusätzlich zu den Großgeräten gibt es noch eine Ausstellung zum regionalen Bergbau in der ehemaligen Stromversorgungs-Station.

Anfahrt mit dem ÖPNV nach Ferropolis

Auch bei der Anreise nach Ferropolis mit den öffentlichen Verkehrsmitteln muss man einen Fußweg in Kauf nehmen. Zwar hat Ferropolis eine eigene Bushaltestelle, die jedoch nicht regelmäßig angefahren wird. Eventuell wird diese nur bei Veranstaltungen genutzt.

Mit dem Zug fährt man zum Bahnhof Gräfenhainichen. Von dort kann man den Rad- und Fußwegen entlang des Gremminer Sees folgen und erreicht Ferropolis in knapp einer Stunden zu Fuß.

Alternativ fährt die Buslinie 310 (Richtung Dessau) zur Haltestelle Abzweigung Ferropolis, Gräfenhainichen. Von dort aus sind es noch ca. 15 Minuten Fußweg nach Ferropolis.

Fazit Bergbau-Technik-Park und Ferropolis

Tatsächlich lohnt es sich, sowohl Ferropolis als auch den Bergbau Technik Park zu besuchen. Ferropolis ist größer, es gibt mehr Maschinen zu sehen und teilweise können diese auch von innen besichtigt werden. Mit dem Audioguide erfährt man viel über den Arbeitsalltag im Tagebau.

Der Bergbau-Technik-Park deckt dagegen den kompletten Arbeitszyklus im Tagebau ab. Es gibt zwar weniger Großgeräte, dafür aber insgesamt mehr Ausstellungsstücke anzusehen.

Tagebau Nochten – Braunkohleabbau und Renaturierung

Nachdem ich mehrere Großgeräte aus dem Tagebau besichtigt und viel über den Tagebau an sich erfahren habe, wollte ich auch noch einen Braunkohletagebau in echt sehen.

Da ich ohnehin noch die Rakotzbrücke besichtigen wollte, habe ich diesen Ausflug mit einem Ausflug zum Tagebau Nochten (offizielle Homepage des Tagebaus) verbunden. Hierbei handelt es sich einerseits um einen noch aktiven Braunkohletagebau, andererseits kann man bereits die Renaturierungsversuche in den abgebauten Bereichen besichtigen.

Am bereits abgebauten Bereich im Nordwesten des Tagebaus kann man die ersten Renaturierungsversuche besichtigen. Hier befindet sich auch das Besucherzentrum und der Aussichtsturm „Der Turm am Schweren Berg“, die allerdings nicht täglich geöffnet sind.

Ausgehend vom Besucherzentrum führt ein Rad-/Fußweg am Tagebau entlang. Folgt man diesem Richtung Osten, kommt man zu den Bereichen, in welchen noch aktiv Braunkohle abgebaut wird.

Beim Blick über die im Renaturierungsstadium befindlichen Flächen, sieht man im Hintergrund das Braunkohlekraftwerk Boxberg. Mit 3520 Megawatt Nennleistung in den 1980er Jahren war das Kraftwerk Boxberg das größte Kohlekraftwerk der DDR. Mit 2575 Megawatt Nennleistung ist das Kraftwerk auch heute noch eines der leistungsstärksten und dementsprechend gefräßig.

Rund 50.000 Tonne Braunkohle müssen die Tagebaue Nochten und Reichwalde täglich bereitstellen, um das Kraftwerk am Laufen zu halten. Das bedeutet nicht nur einen immensen Ausstoß an klimaschädlichem CO₂ und anderen Schadstoffen, sondern auch einen gigantischen Eingriff in die Natur.

Egal wie viele Bilder, Dokumentationen oder Berichte man zum Tagebau sieht, das wirkliche Ausmaß lässt sich erst begreifen, wenn man einen Tagebau mit eigenen Augen sieht. Und dieser Anblick ist gleichermaßen verstörend wie faszinierend.

Anfahrt mit dem ÖPNV zum Tagebau Nochten

Der Tagebau Nochten liegt am Stadtrand von Weißwasser (Oberlausitz), das über einen Bahnhof verfügt. Von Leipzig HBF dauert die Zugfahrt nach Weißwasser ca. 2,5 Stunden.

Der Fußweg vom Bahnhof Weißwasser zum Besucherzentrum beträgt eine gute halbe Stunde. Alternativ kann man die Buslinie 256 (Richtung Bärwalder See, Boxberg/O.L.) zur Haltestelle Prof-Wagenfeld-Ring nehmen. Von dort aus sind es noch etwa 15 Minuten Fußweg.

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