Im Museumshafen von Bremerhaven liegt ein U-Boot vom Typ XXI. Bei diesen Booten sollte es sich, laut Nazi-Propaganda, um eine der Wunderwaffen handeln, die noch in den Jahren 1944 und 1945 die Wende im Zweiten Weltkrieg bringen sollten. Tatsächlich wurde nur eine Handvoll dieser Boote gebaut, die außerdem kaum zum Einsatz kamen. Denn der Krieg war zu diesem Zeitpunkt schon lagen verloren.

Da die Werften und andere Produktionsstätten von den Alliierten regelmäßig bombardiert und zerstört wurden, versuchte die Kriegsmarine die Produktionsstätten vor Luftangriffen zu schützen. So entstand in den Jahren 1943 bis 1945 der U-Boot-Bunker Valentin.

Es handelte sich um das größte Rüstungsprojekt der Kriegsmarine. Im Bunker sollte die Endmontage der Typ XXI U-Boote erfolgen. Dabei sollte alle zwei Tage ein Boot die Werft verlassen.

Das Projekt wurde zu einem Zeitpunkt durchgeführt, als der Krieg für die Nazis bereits nicht mehr zu gewinnen war. Trotzdem wurde unter massivem Einsatz von Zwangsarbeitern, von denen viele auf der Baustelle ihr Leben verloren, mit dem Bau des U-Boot-Bunkers Valentin in Bremen-Farge begonnen.

Auf Seiten der Alliierten wurde das Projekt und der Baufortschritt natürlich genau beobachtet. Dort traf man allerdings die zynische Entscheidung, die Baustelle nicht zu bombardieren. Denn die Baustelle band riesige Mengen an Ressourcen und Arbeitskräften, die nicht für andere Rüstungsprojekte eingesetzt werden konnte.

Kurz vor der Fertigstellung wurde der Bunker dann bombardiert. Dabei wurde das noch nicht fertig gestellte Dach teilweise zerstört und die Baustelle wurde aufgegeben. Die Werft im U-Boot-Bunker Valentin ging nie in Betrieb.

Heute dient der Bunker als Gedenkstätte und Mahnmal. Unter dem Name Denkort Bunker Valentin wird diese mit viel Engagement betrieben. Die Gedenkstätte hilft dabei, die, wenn auch verstörende, Faszination richtig einzuordnen, die ohne Zweifel von diesem Ort ausgeht.

U-Boot-Bunker Valentin

Das Projekt U-Boot-Bunker Valentin

Um die Produktion von U-Booten trotz regelmäßiger Bombardierungen weiterführen zu können, wurde der Bau von bombensicheren Werften in Bunkern begonnen. Laut Plan sollte die Produktion im Bunker Valentin sogar während eines Luftangriffs weiterlaufen. Dafür sollte eine Spannbetondecke von sieben Metern Dicke sorgen.

Die U-Boote sollten in Sektionsbauweise an anderen Standorten vorgefertigt werden und im Bunker Valentin endmontiert werden. Dafür waren 13 Montagestationen vorgesehen, wobei die letzte ein 8 Meter tiefes Wasserbecken mit Schleuse und Ausfahrt zur Elbe war. In diesem Becken sollten letzte Dichtigkeits- und Funktionsprüfungen vorgenommen werden.

Der Bunker hat eine Länge von 419 Metern. Die Breite liegt zwischen 67 und 97 Metern. Die Außenwände haben eine Dicke von 4,5 Meter. Die Decke sollte in zwei Ausbaustufen fertiggestellt werden. In der ersten Ausbaustufe betrug die Dicke 4,5 Meter. In der zweiten Ausbaustufe betrug die Dicke 7 Meter. Die zweite Ausbaustufe wurde jedoch nur bei einem Teil des Gebäudes erreicht. Der bei der Bombardierung des Gebäudes durchschlagene und zerstörte Teil befand sich noch in der ersten Ausbaustufe. Doch auch an dieser Stelle ist es beängstigend zu sehen, welche Gewalt am Werk gewesen sein muss, um 4,5 Meter Stahlbeton zu durchschlagen.

Bau und Zwangsarbeit

Für den Bau des Bunkers wurden bis zu 12.000 Zwangsarbeiter herangeschafft. Diese mussten in Zehnstundenschichten bis zur Erschöpfung den Bau des Bunkers vorantreiben. Wie viele dabei ihr Leben verloren ist nicht bekannt. Laut Wikipedia starben zwischen 2000 und 6000 Menschen beim Bau des Bunkers. Hauptsächlich an Unterernährung und Erschöpfung.

Um den enormen Bedarf an Arbeitskräften für das Bunkerprojekt zu decken und um den Mangel an Maschinen durch Zwangsarbeiter auszugleichen, errichtete die Gestapo im Jahre 1943 das KZ Arbeitslager Farge als Außenlager des KZ Neuengamme. Später kamen weitere Lager hinzu.

Als die Bauarbeiten abgebrochen wurden, waren knapp 500.000 m³ Beton verbaut und der Bunker zu 90% fertiggestellt.

Nutzung nach dem Krieg

In den Jahren 1946-1949 wurde der Bunker von RAF und USAF zu Test mit betonbrechenden Bomben verwendet. Auch eine komplette Sprengung des Bunkers wurde diskutiert, allerdings wurden die Pläne verworfen. Die Sprengstoffmenge, die man dafür hätte einsetzen müssen, hätte ein Erdbeben erzeugt, dass wahrscheinlich zu einer weitgehenden Zerstörung der umliegenden Ortschaften geführt hätte.

Außerdem gab es Pläne, den Bunker durch Aufschütten von Trümmern und Erde in einen Hügel zu verwandeln. Aufgrund der riesigen Menge an Material das hierfür nötig wäre und der dadurch extrem hohen Kosten, wurde auch dieser Plan verworfen.

Eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Ort fand lange Zeit nicht statt. Entweder wurde der Ort ignoriert, oder er wurde, aufgrund der Ingenieursleistung sogar bewundert und teilweise als „Achtes Weltwunder“ bezeichnet.

Letztendlich wurde der Bunker ab dem Jahre 1960 von der Bundeswehr als Materialdepot genutzt. Dafür wurde ein großer Teil des Bunkers von innen und teilweise von außen renoviert und instand gesetzt. Durch die erneute militärische Nutzung wurde der Bunker weiträumig abgesperrt. Durch die Absperrung und Geheimhaltung geriet der Ort nach und nach in Vergessenheit.

Erst als Anfang der 80er Jahre begonnen wurde die Geschichte der Zwangsarbeiter aufzuarbeiten, kam der Bunker wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Auch die militärische Geheimhaltung und Abschirmung wurde nach und nach fallen gelassen. 2010 beendete die Bundeswehr die Nutzung des Bunkers.

Denkort Bunker Valentin

In den Jahren 2011-2015 wurde mit Bundesmitteln und mit Mitteln des Landes Bremen die Gedenkstätte „Denkort Bunker Valentin“ errichtet. Der Eintritt ist kostenfrei, der Audioguide kann, gegen ein Pfand, ebenfalls kostenfrei ausgeliehen werden.

Teil der Gedenkstätte ist ein Rundweg. Dieser führt einen in 25 Stationen um und durch den Bunker hindurch. Dabei nehmen die Stationen direkt Bezug auf die Geschehnisse an dieser Stelle. Beispielsweise an der Stelle, an der einst die riesige Betonmischanlage stand. Im Informationszentrum kann man einen Audioguide ausleihen, der an den verschiedenen Stationen des Rundwegs zusätzliche Informationen bietet.

Insbesondere kommen hier ehemalige Zwangsarbeiter zu Wort, die ihre Geschichte erzählen. Die Betreiber habe hier, meiner Meinung nach, eine gute und verantwortungsvolle Auswahl an Geschichten getroffen. Die Geschichten der Betroffenen und überlebenden Zwangsarbeiter lassen einen den Schrecken, der einst von diesem Ort ausging verstehen. Jedoch ohne einen am Ende des Tages völlig verstört zurückzulassen.

Ich kann mir vorstellen, wie schwer es ist, die richtigen Themen für eine Gedenkstätte wie diese zu finden und die passenden Geschichten auszuwählen. Einerseits muss man informieren. Dabei muss jedoch auch der Schrecken transportiert werden, der einst an diesem Ort geherrscht hat. Auf der anderen Seite darf man die interessierte Öffentlichkeit nicht zu sehr verstören oder traumatisieren (was sicher möglich ist, bei all dem, was sich an diesem Ort abgespielt hat). Denn dann läuft man Gefahr, dass die Mehrheit der Besucher die Geschichte des Ortes lieber ignorieren, anstatt sich zu informieren. Meiner Meinung nach haben die Betreiber der Gedenkstätte diese Gratwanderung gut gemeistert. Wobei man als Besucher oder Besucherin natürlich auch gefordert ist, sich darauf einzulassen.

Neben den Zwangsarbeitern kommen aber auch andere Menschen zu Wort. Beispielsweise erfährt man von ehemaligen Anwohnern, wie sie die Häftlinge wahrgenommen haben, die täglich durch ihre Ortschaft auf die Baustelle marschiert sind.

Auf den Infosteinen des Rundwegs erfährt man weitere Geschichte. Von Angehörigen der Kriegsmarine oder von Ingenieuren der beteiligten Baufirmen. Auf den Infotafeln des Rundwegs finden sich häufig Fotografien, die darstellen, wie die Stelle an der man gerade steht, aussah, als der Bunker gebaut wurde.

Im Informationszentrum im Inneren des Bunkers findet man ergänzende Informationen zur Geschichte des Bauwerks.

Weitere Informationen findet man auf der Webseite des Denkort Bunker Valentin.

Lage & Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Der Bunker Valentin liegt am Rand von Bremen-Farge. Ich bin mit der Bahn von Bremen-Hauptbahnhof über Bremen-Vegesack nach Farge gefahren. Wer nicht gerne zu Fuß geht, kann von dort mit dem Bus direkt zum Bunker fahren.

Bei schönem Wetter kann man jedoch über den Deich an der Weser entlang zum Bunker laufen. Die Strecke beträgt etwa zwei Kilometer. Es ist sehr eindrucksvoll, wenn man um eine Kurve biegt und plötzlich der Bunker zwischen den Bäumen auftaucht.

Besuch des Bunkers

Neben dem Rundweg um den Bunker, kann auch ein Großteil des Inneren besichtigt werden. In dem Teil, der renoviert wurde, darf man sich völlig frei bewegen. Die einsturzgefährdeten Bereiche des Bunkers sind abgesperrt. Somit darf man sich in etwa der Hälfte des Bunkers frei bewegen.

Die Stimmung im Bunker ist natürlich sehr seltsam. Aufgrund der vielen Öffnungen ist die Luft sehr gut. Teilweise jedoch auch etwas feucht und muffig, aufgrund des feuchten Untergrunds. Besonders eindrucksvoll ist die Stelle, an welcher die Decke durch die Bombardierung zerstört wurde. Die Trümmer liegen teilweise noch auf dem Boden und man sieht, wie dick die Decke ist. Hier wird deutlich, welche zerstörerischen Kräfte eine solche Bombe entfaltet.

Die Wirkung der riesigen Produktionshallen hat etwas von einer verlassenen Fabrik. Und etwas von einer Gruft.

Alles in Allem war der Ausflug zum Bunker Valentin extrem eindrucksvoll. Es ist kein schöner Ort. Es ist ein Ort, den man abends wieder verlassen möchte. Aber die gesammelten Eindrücke bleiben, wie bei wenigen anderen Orten im Gedächtnis.

Das Fotografieren im Bunker ist gestattet, allerdings ausdrücklich nur zu privaten Zwecken. Aus diesem Grund habe ich in diesem Beitrag lediglich Fotos veröffentlicht, die von öffentlich zugänglichen Wegen und Orten aus aufgenommen wurden. Das einzige Bild aus dem inneren zeigt die Ausfahrt der Schleuse, durch welche die Boote den Bunker verlassen und in die Weser fahren sollten. Durch die Schleusenöffnung kann man von einem öffentlichen Weg einen Blick in den Bunker werfen.

Die Webseite des Denkort Bunker Valentin stellt einige Pressebilder zur Verfügung, die auch das innere des Bunkers zeigen. Noch interessanter sind jedoch die Bilder, die die Baustelle zeigen. Die offiziellen Pressebilder findest du unter https://www.denkort-bunker-valentin.de/presse/pressebilder.html. Da ich in meinen Beiträgen nur eigene Bilder verwende, verlinke ich nur die Webseite.

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