Schon lange wollte ich die Stadt Koblenz besuchen. Insbesondere die Burg Stolzenfels und die Festung Ehrenbreitstein standen auf meiner Liste. Allerdings war mir der Weg für diese beiden Sehenswürdigkeiten immer zu weit.

Aus diesem Grund habe ich den Besuch mit einer Wanderung verbunden. Über den Lahnwanderweg ging es im Herbst 2020 in drei Tagen zu Fuß von Limburg nach Koblenz.

Der Lahnwanderweg

Der Lahnwanderweg führt von der Quelle im Rothaargebirge bis zur Mündung in den Rhein bei Lahnstein/Koblenz. Die gesamte Länge des Weges beträgt 295 Kilometer, wovon ich jedoch nur etwa ein Viertel gelaufen bin.

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Der Weg ist sehr abwechslungsreich und so gewählt, dass es viel zu entdecken gibt. So entfernt sich die Route teilweise vom Fluss um dafür an Burgen und Schlössern vorbeizukommen oder durch Dörfer und Städte zu führen, was auch die Suche nach einer Unterkunft erleichtert.

Auch die Anbindung an den ÖPNV ist recht gut. Durch das Lahntal fährt ein kleiner Regionalzug, der auch kleine Dörfer an das Schienennetz anbindet und auch die Mitnahme von Fahrrädern gestattet. Auch ich war sehr froh über den Zug und habe diesen an einem Abend zum „cheaten“ genutzt und die Strecke abgekürzt, als es dunkel wurde und anfing zu regnen.

Der Lahnwanderweg ist durchgängig gut markiert. Das Zeichen stellt ein geschwungenes rotes LW auf weißem Grund dar.

Etappe 1: Von Diez nach Laurenburg

Entfernung: 22 Kilometer
Aufstieg insgesamt: 530 Meter
Abstieg insgesamt: 570 Meter
Dauer: 7 Stunden

Die erste Etappe starte ich in der kleinen Stadt Diez, die nahtlos an Limburg angrenzt. Das Wetter spielt am noch einigermaßen mit, trotzdem habe ich keinen allzu guten Start. Eigentlich führt der Wanderweg aus der Stadt durch eine Unterführung, durch welche man eine Bahntrasse unterquert.

Durch eine Großbaustelle ist diese Unterführung jedoch blockiert und die ganze Gegend durch die Baustelle weiträumig abgesperrt. Durch die Lage an einem Berg ist es auch nicht möglich, einfach die Bahnanlage und Baustelle zu durchqueren. Man müsste klettern. Der Weg ist leider mit Holzbrettern vernagelt, sodass es auch nicht möglich wäre, die Absperrung einfach zu ignorieren.

Für Autofahrer ist natürlich eine Umleitung ausgeschildert, die jedoch einen großen Umweg um die Baustelle macht. Für Fußgänger gibt es keinerlei Hinweise. Als mache ich mich mit Karten-App auf die Suche nach einer alternativen Route um den Berg herum. Der Umweg kostet mich leider direkt zum Start etwa eine Stunde.

Entsprechend froh bin ich, als ich Diez endlich verlasse und es ab ins Grüne geht. Der Weg ist gut begehbar und nach kurzer Zeit komme ich bereits zu einem schönen Aussichtspunkt mit Blick über das Lahntal.

Ein Highlight des Lahnwanderwegs sind die Schlösser und Burgen, die regelmäßig auftauchen. Teilweise führt der Weg daran vorbei, teilweise sieht man sie nur in der Ferne.

Tatsächlich gibt es in diesem Teil Deutschlands so viele Schlösser und Burgen, dass es wohl nahezu unmöglich ist, allen zu Fuß einen Besuch abzustatten.

Doch genau diese vielen Bauwerke sorgen dafür, dass der Lahnwanderweg für mich so interessant und abwechslungsreich ist. Ständig erblickt man irgendwo einen Turm oder eine alte Mauer.

Das erste Schloss, das in direkter Umgebung des Weges aus dem Wald auftaucht, ist das Schloss Schaumburg.

Nur wenig später ragen die Mauern der Burgruine Balduinstein aus dem Wald auf. Hier mache ich einen kleinen Umweg, um die Ruine aus der Nähe anzuschauen. Leider ist das Gelände abgesperrt und nicht öffentlich zugänglich, sodass nur der Blick von außen auf die Burgruine möglich ist.

Kurz darauf führt der Weg an einer Höhle vorbei, die mit einem Gitter versperrt ist. Ein Schild neben der Höhle weist darauf hin, dass es sich um ein altes Felsengrab handelt.

Der Weg führt nun abwechselnd über Felder, Wiesen und durch Wälder und bleibt dadurch immer vielfältig und kurzweilig. Die Schaumburg bleibt beim Wandern lange im Blick, bzw. taucht immer wieder zwischen den Bäumen auf. Ich mag solch lange sichtbare Landmarken beim Wandern sehr gerne. Sie geben einem ein gutes Gefühl für Richtung und Entfernung.

Mittlerweile ist es etwas windig und kühl geworden. Daher freue ich mich, als ich vom Berg einen Blick auf meinen Zielort Laurenburg werfen kann und sogar den Gasthof, in welchem ich ein Zimmer gebucht habe, entdecke.

Zum Ortseingang geht es nun nur noch den Berg hinunter, was ein schöner, und leichter Abschluss des Tages ist.

Etappe 2: Von Laurenburg nach Dausenau

Geplant:
Entfernung: 24 Kilometer
Aufstieg: 750 Meter
Abstieg: 770 Meter
Dauer: 7,5 Stunden

Gemacht (durch Zugfahrt am Ende):
Entfernung: 17 Kilometer
Aufstieg insgesamt: 463 Meter
Abstieg insgesamt: 466 Meter
Dauer: 5,5 Stunden

Der zweite Tag wurde zur interessantesten und abwechslungsreichsten meiner drei Etappen.

Bei perfektem Wetter (sonnig aber kühl) verlasse ich Laurenburg. Direkt am Ortsausgang wartet der erste Anstieg und nach wenigen Minuten taucht erneut ein Burgturm zwischen den Bäumen auf. Es handelt sich um den Turm der namensgebenden Burg Laurenburg.

Diese Etappe wurde nun etwas anstrengender als die vorherige, da es permanent bergauf und bergab geht. Ebene Strecken gibt es kaum. Aber genau dies sorgt natürlich auch für interessante Landschaft und tolle Ausblicke. Was die Landschaft angeht, lasse ich lieber die Bilder sprechen, anstatt viele Worte zu verlieren.

Das Highlight dieser Etappe ist die Aussicht vom Göthepunkt. Ursprünglich war hier ein kleiner Picknickplatz. Dieser wurde aber mit einem kleinen Aussichtspunkt erweitert, der einen spektakulären Blick über das Lahntal bietet.

Der Abstieg vom Göthepunkt führt über eine kleine Kletterpassage. Mit Steighilfen, die in den Felsen angebracht sind und Seilen zum Festhalten geht es über Felsen hinab ins Tal. Trittsicherheit und festes Schuhwerk ist hier unbedingt erforderlich. Gefährlich ist der Weg jedoch nicht. Für Kinder ist dieser Teil sicher besonders spektakulär.

Der kleine Klettersteig lässt sich auch umgehen, hierfür muss dann ein Umweg in Kauf genommen werden. Dadurch verpasst man allerdings den Weg durch und über die Felsen des Himmelsbergs. Aber wer z.B. mit Hund unterwegs ist, hat kaum eine andere Wahl.

Vom Göthepunkt aus gut sichtbar, ragen wieder Türme aus dem Wald. Diesmal gehören sie zu einem Kloster. Dem Kloster Arnstein.

Nun geht es einige Stunden über Berg und Tal durch den Wald. Bis irgendwann der nächste Aussichtspunkt auftaucht. Die Hohe Lay. Ein Felsen oberhalb des Lahntals, der über Treppen und Stege problemlos bestiegen werden kann. Oben auf dem Felsen ist eine Aussichtsplattform und ein Unterstand.

Einige Kilometer bergab liegt die Stadt Nassau, durch welche der Weg nun führt. Ich nutze die Chance und schaue mir die Stadt an. Außerdem gehe ich in Nassau Lebensmittel einkaufen und mache anschließend ein kleines Picknick in einem Park an der Lahn.

Das führt leider (oder zum Glück?) dazu, dass mir die Motivation zum Weiterwandern etwas abhandengekommen ist. Denn die Aussichten für den Rest des Tages sind nicht gerade rosig. Es fängt wieder an zu regnen und aufgrund der Jahreszeit und des Wetters kündigt sich bereits am Nachmittag die Dämmerung an.

Besonders der steile Auf- und Abstieg durch den Wald zur Burg Nassau schreckt mich nun etwas ab. Ich mache es mir daher leicht und fahre mit dem Zug von Nassau zu meinem Zielort Dausenau. Dausenau ist ein winziges Dorf. Aber mit der Lahnbahn sind sogar kleine Dörfer im Lahntal an das Schienennetz angeschlossen. Hervorragend.

Die Entscheidung stellt sich als Glücksgriff heraus. Denn Dausenau ist wirklich eine Perle und so habe ich die Chance, den Ort noch bei Tageslicht zu besichtigen.

Neben den malerischen Gebäuden die direkt am Ufer liegen, ist die alte Stadtmauer und der schiefe Turm ein Highlight. Dieser weist, laut Wikipedia, mit 5,22 Grad die höchste bekannte Neigung aller ursprünglich vertikal gebauter Türme auf. Damit der Turm nicht umkippt wurde er ab 1950 um etwa 7,5 Meter abgetragen.

Etappe 3: Von Dausenau nach Niederlahnstein

Entfernung: 20 Kilometer
Anstieg insgesamt: 469 Meter
Abstieg insgesamt: 499Meter
Dauer: 7 Stunden

Der dritte Tag beginnt mit Nieselregen. Bis auf wenige kurze Pausen sollte der Regen an diesem Tag auch nicht mehr aufhören.

Entlang der alten Stadtmauer von Dausenau führt mich der Lahnwanderweg auf eine Anhöhe, die nochmal einen schönen Blick auf Dausenau ermöglicht.

Leider sollte es nun mit schönen Blicken für den Rest des Tages vorbei sein. Nicht weil der Weg oder die Strecke das nicht hergeben würden, sondern weil das Wetter nicht mitspielt. Es ist wolkig und Nebelverhangen. Aber auch das hat ja seinen Reiz und sorgt für eine besondere Stimmung.

Den Weg auf den Concordiaturm, der bei gutem Wetter einen tollen Blick auf die Stadt Bad Ems ermöglicht, habe ich mir aufgrund der schlechten Sicht jedoch gespart.

Auf dem Weg nach Bad Ems, führt der Lahnwanderweg überraschend durch das Treppenhaus eines Parkhauses. Ich dachte zuerst ich hätte mich verlaufen, fand dann jedoch tatsächlich die Schilder des Lahnwanderwegs am Parkhaus.

Dann geht es durch die Stadt Bad Ems, die mit einigen beeindruckenden Gebäuden, insbesondere dem riesigen Kursaal auffällt.

Die folgenden Stunden geht es in strömendem Regen hautsächlich durch den Wald. Eigentlich warte ich nur darauf, dass irgendwann eine Schutzhütte auftaucht und ich mich eine Weile trocken unterstellen, Pause machen und etwas Essen kann. Denn das Frühstück liegt doch schon eine ganze Weile zurück.

Aber leider taucht für mehrere Stunden weder eine Hütte auf, noch wird der Regen weniger. Der Vorteil davon ist natürlich, dass ich in kurzer Zeit eine große Strecke hinter mich bringe. Schließlich ist mir weder danach, im Regen eine Pause zu machen, noch gibt es bei diesem Wetter etwas zu sehen.

Als endlich eine Hütte auftaucht, ist mein Ziel in der Ferne bereits zu sehen. Ich nutze trotzdem die Gelegenheit, um endlich eine Pause zu machen, etwas zu essen und einen Teil der Kleidung zu wechseln.

Zur Entschädigung dafür, dass stundenlang keine Hütte auftauchte, ist diese etwas ganz besonderes. Sie ist klein und liegt erhoben über dem Weg auf einem Felsen und hat, laut Google Maps, den Namen „Schutzhütte Mehrsberg“. Der Blick über das Lahntal ist fantastisch, trotz Nebel und Wolken.

In der Ferne sind natürlich wieder Türme von Burgen und Schlössern zu sehen. So sieht man von diesem Punkt das Kloster Allerheiligenberg, die Burg Lahneck und in der Ferne das Schloss Stolzenfeld am Rhein.

Nachdem ich mich aufgewärmt und etwas gegessen habe, mache ich mich wieder auf in den Regen. Denn ein Highlight des Weges wartet noch auf mich. Die Ruppertsklamm.

Und tatsächlich ist die Ruppertsklamm ein ganz besonderes Stück Weg. Die offizielle Webseite beschreibt diese als „kurzes alpines Wandererlebnis zwischen Westerwald und Taunus“.

In der nur 1,5 Kilometer langen Klamm überwindet man 235 Höhenmeter. An den Felsen sind Seile zum Festhalten angebracht. Teilweise sind Kletterhilfen in die Felsen eingehauen die das Begehen erleichtern, da über weite Teile keine Wege existieren und man über die Felsen gehen muss.

Im strömenden Regen und mit relativ schwerem Rucksack auf dem Rücken kein ganz einfaches Unterfangen. Obwohl ich sehr vorsichtig bin, rutsche ich mehrfach und bin froh, mich an den Stahlseilen halten zu können.

Bei gutem Wetter sieht das sicher ganz anders aus. Dann ist ein stabiler Stand auf den Felsen kein Problem und der Weg durch die Ruppertsklamm sicher ein großer Abenteuerspaß für Kinder.

Aber auch für mich ist die Ruppertsklamm eines von vielen Highlights auf dem Lahnwanderweg. Vom Ausgang der Klamm sind es nur noch wenige Kilometer bis nach Niederlahnstein, wo die Lahn in den Rhein mündet. Das Ziel meiner Wanderung.

Niederlahnstein ist ein Stadtteil von Lahnstein, welches an die Stadt Koblenz angrenzt.

Unterhalb der Burg Lahneck geht es am Fluss entlang in die Stadt, bis zu der Stelle, an der die Lahn in den Rhein mündet. Nach wie vor im strömenden Regen mache ich noch ein paar Fotos mit dem Handy. Die richtige Kamera hatte ich bei diesem Wetter gar nicht erst ausgepackt. Das Handy ist immerhin wasserdicht.

Trotz des Regens genieße ich noch einen Moment das Gefühl am Ziel zu sein und mache mich dann auf den Weg zum Hotel, wo eine heiße Dusche wartet.

Fazit zum Lahnwanderweg von Limburg nach Koblenz

Die dreitägige Etappe auf dem Lahnwanderweg war fantastisch. Wer sich ein bisschen für Burgen, Schlösser, Klöster und ähnliche alte Bauwerke interessiert und außerdem gerne wandert, der kommt auf dieser Strecke voll auf seine Kosten.

Bei der Planung sollte man berücksichtigen, dass permanent Steigungen zu überwinden sind. Entweder geht es bergauf oder bergab. Im Zweifel also lieber etwas kürzere Etappen planen. Dann bleibt auch genug Zeit um immer wieder den schönen Blick zu genießen.

Und gerade die Höhenunterschiede sorgen dafür, dass man immer wieder einen so unterschiedlichen Blick auf die abwechslungsreiche Landschaft hat.

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