Mit einem unausgebauten Renault Kangoo Kastenwagen durch den Süden Baden-Württembergs. So kann ein Urlaub aussehen, wenn man nichts geplant hat, einen jedoch plötzlich das Reisefieber packt, ein „richtiger“ Urlaub durch die Corona-Einschränkungen jedoch schwer möglich ist.

Mit der richtigen Ausrüstung geht das sogar ganz gut und mit wenigen Einschränkungen.

Der Plan

Ich wohne in Stuttgart, also mehr oder weniger in der Mitte Baden-Württembergs. Auf Google Maps habe ich mir eine ganze Reihe von Orten und Sehenswürdigkeiten markiert, die ich einmal besuchen wollte.

Beispielsweise Burgruinen, Schlösser oder schöne Tageswanderungen. Jeder einzelne dieser Punkte war zu unbedeutend um einen eigenen Ausflug zu rechtfertigen. In Summe müssten sie jedoch einen tollen Urlaub abgeben. Nur wie?

Hotelübernachtungen waren durch die Corona-Einschränkungen kaum möglich. Ein Auto besitze ich nicht mehr. Öffentliche Verkehrsmittel wären sehr mühsam, da Burgruinen in den meisten Fällen nicht in der Nähe von Bahnhöfen zu finden sind.

Ein Camper oder Wohnmobil wäre die Lösung. Aber die sind derzeit teuer und in der Ferienzeit sehr begehrt. Außerdem lohnt sich der Aufwand mit Übergabe etc. für die geplanten sechs Tage kaum, wenn man ein solches Fahrzeug überhaupt für diesen Zeitraum mieten kann.

Und so begann das Experiment. Beim lokalen Carsharing-Anbieter war ein Renault Kangoo Kastenwagen für eine Woche verfügbar. Das könnte doch die Lösung sein.

Flexibel, unauffällig, relativ kostengünstig, keine aufwändige Übergabe mit festen Terminen. Und wenn man es mit einem Zelturlaub und nicht mit einem richtigen Camper vergleicht (was ich ab sofort getan habe) dann ist es sogar ziemlich komfortabel.

Die Ausrüstung

Im Gegensatz zu einem normalen Wanderurlaub spielte Gewicht in diesem Fall keine Rolle. Ein sehr befreiendes Gefühl. Trotzdem wollte ich so wenig wie möglich und so viel wie nötig mitnehmen. Denn der Platz war doch sehr begrenzt. Mit lauter unnötigem Kram wird es auf so kleinem Raum schnell chaotisch.

So entstand im Großen und Ganzen folgende Packliste, die den Kangoo Kastenwagen für sechs Tage in ein Zuhause verwandeln sollte.

Möbel:

  • Offene Plastikkiste, für die Dinge, die ich regelmäßig benötige.
  • Geschlossene Plastikkiste, die gleichzeitig als Tisch diente.
  • Ein altes Regalbrett sorgte für eine stabile Tischoberfläche.
  • Mini-Campingstuhl
  • Mehrere Müllsäcke um nachts die Fenster abzuhängen
  • Eine Decke, um das Fahrzeug nach vorne blickdicht zu machen.
  • Kleiner Eimer als Waschbecken.
  • 10L Wasserkanister mit Hahn zum Waschen und Kochen.
  • Handfeger & Fußmatte (unterwegs gekauft und sehr nützlich)
  • Viele Magnete zum Befestigen und Aufhängen von Dingen

Sonstiges:

Ansonsten entsprach meine Ausrüstung der eines gewöhnlichen Camping- oder Wanderurlaubs.

  • Isomatte, Schlafsack und aufblasbares Kissen
  • Gaskocher
  • Campinggeschirr und Topf
  • Stirnlampe zur Beleuchtung
  • Spanngurte
  • sowie Klamotten, Kulturbeutel, Powerbank, Kamera etc. Was man eben auf jedem mehrtägigen Ausflug mitnimmt.

Das Ganze habe ich mit Spanngurten so im Fahrzeug verstaut und verbaut, dass ich möglichst wenig umbauen musste.

Also beide Kisten auf eine Seite des Fahrzeugs, sodass die andere Seite zum Sitzen und liegen frei blieb. Lediglich den Wasserkanister musste ich aufgrund des Gewichts für die Fahrt immer sicher verstauen.

Leben im unausgebauten Kastenwagen

Aufgeregt fuhr ich freitagabends nach der Arbeit los. Zum Eingewöhnen ging es auf einen öffentlichen Parkplatz am Neckar, lediglich 30 Kilometer von meinem Wohnort entfernt.

Notfalls, wenn etwas wirklich Wichtiges fehlen würde, könnte ich am nächsten Tag nochmals nach Hause fahren.

Vergessen hatte ich lediglich ein Feuerzeug für den Gaskocher und Sonnencreme. Beides ließ sich schnell nachkaufen. Obwohl ich versucht hatte minimalistisch zu packen, hatte ich doch viel zu viel Kram dabei. So war ich ständig dabei, in meinen Kisten zu wühlen, sodass diese immer chaotischer wurden.

Ich habe daher sehr schnell angefangen, pedantisch Ordnung zu halten. Alle Dinge, die ich verwendet habe wurden nach Gebrauch direkt wieder in ihrer Kiste oder ihrem Säckchen verstaut. Außerdem habe ich Säckchen gepackt, deren Inhalt thematisch sortiert war. Ein Säckchen mit Kochutensilien, ein Säckchen mit Elektronik usw. So ließ sich trotz des kleinen Stauraums recht gut Ordnung halten.

Entscheidend dafür, dass ich mich mehrere Tage auf so kleinem Raum wohlgefühlt habe war außerdem, dass ich mich so eingerichtet hatte, dass ich möglichst wenig umbauen musste. Denn das wird sehr schnell nervig.

Tagsüber hatte ich auf der rechten Seite des Fahrzeugs meinen kleinen Campingstuhl stehen. Nachts wurde hier die Isomatte hingelegt. Neben dem Aufstellen des Wasserkanisters waren das die einzigen Umbaumaßnahmen, die ich vornehmen musste.

Das Wichtigste war für mich überraschender Weise der kleine Eimer und der Wasserkanister. Mit Seife und einem Eimer Wasser kann man sich tatsächlich so gut waschen, dass man sich wie frisch geduscht fühlt. Es ist nur etwas mühsam. Auch die Möglichkeit mir jederzeit die Hände richtig waschen zu können sorgt dafür, dass ich mich weiterhin als zivilisierter Mensch fühle.

Ver- und Entsorgung

Zum Trinken habe ich Wasser in Flaschen gekauft. Die leeren Flaschen habe ich gesammelt und darin mein Grauwasser abgefüllt. Beim Gang auf eine Toilette habe ich diese Flaschen dann im Rucksack mitgenommen und in die Toilette entleert.

In den sechs Tagen musste ich meinen 10L-Kanister zweimal nachfüllen. Getränke habe ich, wie gesagt, im Supermarkt in Flaschen gekauft. Zum Kochen und für Körperhygiene habe ich in sechs Tagen also insgesamt knapp 30 Liter verbraucht.

Einmal habe ich den Kanister an einem öffentlichen Trinkwasserbrunnen nachgefüllt und einmal an einem öffentlichen Toilettenhäuschen mit separatem Waschraum.

Der Gang zur Toilette ließ sich relativ leicht organisieren, da ich immer in urbanen Gebieten unterwegs war. Und das, obwohl Einrichtungen wie McDonalds etc. aufgrund der Corona-Einschränkungen noch geschlossen hatten. An zwei meiner Übernachtungsplätze gab es direkt eine Toilette. Ansonsten nutzte ich die Toiletten der Sehenswürdigkeiten, die ich besuchte und wenn das nicht ging, suchte ich mit Google-Maps nach einem größeren Baumarkt oder Einkaufszentrum (Rewe, Kaufland etc.) in der Nähe. Dort sind in der Regel Kundentoiletten vorhanden.

Die Stellplätze

Der Vorteil eines ganz normalen Fahrzeugs ist, dass man damit unauffällig auf jedem Parkplatz stehen kann. Auch Höhenbeschränkungen spielen keine Rolle.

Somit bin ich zum Übernachten auf den unterschiedlichsten Stellplätzen gelandet. Auf Wanderparkplätzen, als auch auf öffentlichen Parkplätzen mitten in der Stadt.

Meistens habe ich mit Google Maps nach Parkmöglichkeiten in der Nähe eines Ortes gesucht den ich am folgenden Tag besuchen wollte.

Teilweise bin ich auch auf Wanderparkplätzen stehen geblieben, die ich tagsüber zufällig entdeckt habe. Und obwohl ich versucht habe Apps wie Park4Night nicht zu nutzen, habe ich einen der schönsten Übernachtungsplätze doch mit genau dieser App entdeckt. Das Tolle an Apps dieser Art ist aber auch, dass man z.B. sieht, ob es an einem Stellplatz Toiletten und/oder Wasser gibt.

Probleme und Verbesserungen

Verglichen mit einem Zelturlaub war das Leben im unausgebauten Kastenwagen für mich ziemlich komfortabel. Perfekt ist es trotzdem nicht, denn das Auto ist natürlich primär zum Transportieren von Gegenständen gebaut.

Da das Fahrzeug nicht über eine Zwangsbelüftung wie eine Dachluke mit Ventilator verfügt, kann man nur bei geöffneter Tür oder im Freien kochen. Das bedeutet, Regen muss man seine Essenszeiten an das Wetter anpassen oder kalt essen.

Aus dem gleichen Grund wird es morgens schnell warm im Auto. Trotz leicht geöffnetem Fenster. Man sollte daher am besten auf einen schattigen Parkplatz achten, wenn man morgens ausschlafen möchte.

Auch einen bequemeren Stuhl mit Lehne habe ich vermisst.

Ansonsten muss ich sagen, dass ich mich in den sechs Tagen, die ich in diesem Fahrzeug gelebt habe nicht wirklich eingeschränkt gefühlt habe. Im Gegenteil. Das Gefühl von Freiheit hat die Einschränkungen deutlich überwogen.

Fazit

Entstanden aus einer spontanen Schnapsidee hat sich für mich eine Urlaubsoption entwickelt, die ich gerne wieder in Anspruch nehmen würde.

Verglichen mit einem Zelt lebt es sich auch in einem kleinen unausgebauten Kastenwagen komfortabel. Über das Carsharing lässt sich das Fahrzeug spontan mieten, abholen und abgeben, ohne dass vorherige Planung und Übergabetermine nötig sind.

Eine größere Flexibilität und ein Spontanität lässt sich wahrscheinlich mit keiner anderen Reiseform erreichen. So überkam mich bereits kurz nach dem Losfahren dieses Gefühl von Freiheit, auf das ich gehofft hatte.

Natürlich muss man sich in einem so kleinen Fahrzeug einschränken. Insbesondere, wenn es nicht ausgebaut ist und eigentlich zweckentfremdet wird. Aber eines weiß ich nun sicher. Mit einem ausgebauten Minicamper könnte ich wochenlang unterwegs sein, ohne etwas zu vermissen. Vielleicht wird das ja ein Projekt für den kommenden Winter.

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