Es ist doch immer wieder erstaunlich wie grün, ruhig und entspannt auch eine Metropole sein kann, wenn man die richtigen Stellen findet. Besonders überrascht war ich, dass mir ausgerechnet München besonders positiv aufgefallen ist. Immerhin ist es die drittgrößte Stadt Deutschlands.

Mehr oder weniger zufällig habe ich eine Tageswanderung durch München gemacht und dabei eine überraschend grüne und naturnahe Stadt erlebt.

Die Planung der Route entstand unterwegs. Und zwar immer den großen grünen Flächen in Google Maps entlang. Eine Methode, die ich zukünftig auch in anderen Städten testen möchte. Vielleicht eine gute Möglichkeit, um einen Städtetrip ohne zusätzlichen Aufwand mit einer erholsamen Wanderung zu verbinden.

Und ganz nebenbei bin ich auf eine ganze Reihe an Münchener Sehenswürdigkeiten gestoßen, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte.

Eigentlich wollte ich die Allianz-Arena anschauen und bin dabei zufällig auf die Fröttmaninger Heide gestoßen. Ein Ort, dessen Besuch sich mindestens genauso lohnt.

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Startpunkt Fröttmaninger Heide

Die Fröttmaninger Heide ist ein Naturschutzgebiet im Norden Münchens, nur wenige Meter von der Allianz-Arena entfernt und dementsprechend gut mit der U-Bahn zu erreichen.

Es handelt sich um einen ehemaligen Panzerübungsplatz der Bundeswehr, der zu einem Naturschutzgebiet umgewandelt wurde. Wie auch beim ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen [Ehem. Truppenübungsplatz Münsingen – Naturerlebnis, Lost Place & neue Nutzung] handelt es sich hierbei um einen Ort mit ganz besonderer Vegetation und Geländegestaltung, der zum größten Teil frei erkundet werden kann.

Zum Schutz der Natur und zum Schutz vor Blindgängern ist man angehalten auf den vielen Schotterwegen zu bleiben. Erst 2020 wurde das rund 20 Kilometer lange Wegenetz vollständig von Kampfmitteln geräumt und ist nun frei zugänglich. Das Wegenetz ist eng und die Wege kreuzen sich häufig. Es macht daher wenig Sinn, alle Wege abzugehen. Für einen komplette Rundgang über das Gelände kann man jedoch durchaus 5 Kilometer einplanen.

Abstecher zur Allianz-Arena

In unmittelbarer Nähe der Fröttmaninger Heide liegt die Allianz-Arena. Da diese ohnehin auf dem Weg zum nächsten Zwischenziel, dem Fröttmaninger Berg liegt, lohnt sich ein kleiner Ausflug zum Stadion.

Wenn gerade kein Fußballspiel stattfindet, wirkt die Umgebung des Stadions geradezu gespenstisch. Eine riesige Anlage, gebaut für rund 75.000 Menschen, mit riesigen Vorplatz, Parkplätzen, Einlass- und Kassenbereichen. Völlig menschenleer.

Ich freue mich über die Ruhe, denn schließlich es das, was ich an diesem Tag suche. Und so drehe ich eine ausgiebige Runde über das riesige Gelände.

Aussucht vom Fröttmaninger Berg

Nächstes Zwischenziel ist der Fröttmaninger Berg, der schon von weitem an der einzelnen Windkraftanlage auf seiner Spitze zu erkennen ist.

Direkt am Fuß des Berges bin ich über die Kunstinstallation „versunkenes Dorf“ gestolpert. Halb im Berg versunken, wurde eine Kopie der Kirche Heilig-Kreuz nachgebaut. Diese symbolisiert das Verschwinden des Dorfes Fröttmaning, welches Infrastruktureinrichtungen wie der Autobahn und einer Mülldeponie weichen musste.

Der Fröttmaninger Berg ist ein Erholungsgebiet, dass sich auf einem 75 Meter hohen Müllberg befindet. Man hat von hier aus einen tollen Blick über die Stadt München. Es ist aber auch ein komisches Gefühl zu wissen, dass man auf einem riesigen Berg Müll steht, der in der Stadt unter einem produziert wurde.

In den 60er Jahren gingen große Umweltprobleme von diesem Berg aus. Der Müll verschmitzte das Grundwasser, es entstanden Brände und Staub und Gestank belästigten die Umgebung. So wurde Anfang der 70er Jahre mit der Renaturierung der Gegend begonnen, die bis in die 80er Jahre dauerte. 1985 wurde eine unterirdische Betonwand eingezogen, um das Grundwasser vor dem Müll zu schützen. Von dort wird das Sickerwasser in eine Kläranlage abgeleitet. Es wurden Entgasungsanlagen eingebaut, die die entstehenden brennbaren Faulgase ableiten und der Hügel mit etwa zwei Metern Erde bedeckt und begrünt.

Wirklich gruselig, welchen Aufwand wir betreiben müssen, um die Auswirkungen unseres Lebensstils auf die Umwelt zu begrenzen.

Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Der Fröttmaninger Berg ist eine große parkartige Grünanlage mit großen Bäumen, einem Wegenetz für Spaziergänge und Radtouren und einem Spielplatz.

Entlang der Isar

Vom Fröttmaninger Berg ging es entlang des Überlaufs der Kläranlage direkt zur Isar. Hier hat man die Wahl, ob man dem gut ausgebauten Schotterweg folgt, oder einem kleinen Trampelpfad direkt am Flussufer entlang.

Dies ist eindeutig der schönste und naturnahste Teil des Weges. Immerhin handelt es sich bei der Isar nicht um einen schiffbaren Kanal, sondern um einen rauschenden Fluss mit bewachsenem Ufer.

Das Rauschen des Flusses wirkt unglaublich entspannend auf mich.

Nach knapp drei Kilometern entlang des Flusses erreicht man den Englischen Garten.

Durch den Englischen Garten

Mit seinen rund 375 Hektar ist der Englische Garten riesig. Entsprechend lange dauert es, um ihn einmal komplett von Norden nach Süden zu durchqueren. Aufgrund der Größe verteilen sich die Menschen gut und insbesondere im nördlichen Teil ist es relativ ruhig.

Je mehr man sich der Innenstadt nähert, desto voller wird es auch im Park. Es wird langsam wieder städtisch.

Mit etwas Zeit lässt sich einiges im Englischen Garten entdecken. Beispielsweise der Chinesische Turm, an dessen Fuß sich eine Art Biergarten befindet, der sich für eine Pause und Erfrischung anbietet. Oder das kleine Monopteros, dass an einen antiken griechischen Tempel erinnert, das Japanische Teehaus, ein kleines Amphitheater und natürlich Seen und Bäche.

Ganz im Süden des Parks lohnt es sich, an der Eisbach Surferwelle vorbeizuschauen und den Münchenern beim Wellenreiten zuzusehen.

Ziel: Hofgarten

Einmal über die Straße und man befindet sich im Hofgarten, der auch den Abschluss meiner Tour bildete und sich nur noch etwa 1,5 Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt befindet.

Hier befindet man sich nun wieder mitten in der Stadt, mit entsprechendem Trubel. Der Hofgarten ist ein Renaissancegarten aus dem 17. Jahrhundert und befindet sich direkt neben der Residenz München und der Bayrischen Staatskanzlei. Wahrscheinlich die eindrucksvollste und repräsentativste Ecke Münchens.

Fazit

Ich liebe es, Städte zu Fuß zu erkunden, da man auf diese Weise immer tolle Dinge entdeckt, die nicht zu den Top 10 gehören und in keinem Reiseführer stehen [8 Gründe, warum du eine Stadt immer zu Fuß erkunden solltest].

Natürlich gibt es auch noch andere Möglichkeiten, um tolle Ecken zu entdecken [7 Tipps um deine Stadt und ungewöhnliche Orte zu entdecken], aber das erfordert eben ein gewisses Maß an Planung.

Auch in München hat sich das planlose Vorgehen wieder bewährt. Ich war unglaublich überrascht, was für ruhige, erholsame und naturnahe Ecken man auch in einer der größten Städte Deutschlands findet. Orte, die ich nie entdeckt hätte, wenn ich die Top 10 Sehenswürdigkeiten von München abgelaufen wäre.

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