Eigentlich lebe ich ein ziemlich durchschnittliches Leben. Ich habe einen Vollzeit-Job und gehe ein- bis zweimal im Jahr in Urlaub. Und in meiner Freizeit blogge ich ein bisschen.

Das Ganze ist ein sensibles Konstrukt aus Arbeit, Verpflichtung, Organisation des Privatlebens und echter Freizeit und Erholung. Dieses Konstrukt aus Stress und Erholung funktioniert in guten Zeiten zumindest einigermaßen.

Mit Beginn der Corona-Pandemie brach es jedoch zusammen und bis heute funktioniert es noch nicht wieder richtig.

Versteht mich nicht falsch, ich will nicht jammern. Im Gegensatz zu vielen anderen bin ich sowohl gesundheitlich als auch finanziell weitgehend unbeschadet durch diese Zeit gekommen.

Aber eines hat eben nicht mehr funktioniert. Das komplexe System aus Arbeit, Verpflichtungen, Freizeit und Erholung.

Zeitweise pendelte ich zu Hause nur noch zwischen Arbeitslaptop und privatem Laptop. Höchstens unterbrochen von einem Spaziergang und dem Einkauf im Supermarkt. Der Faktor Ausgleich & Erholung ist weitestgehend weggebrochen.

Gegenstände sorgen nicht für Ausgleich und Erholung.

Und weil ich so viel Zeit in meiner Wohnung verbracht habe, ist mir eines klar geworden.

All die Dinge die ich habe, können keine Erlebnisse ersetzten. Dinge sorgen nicht für Erholung. Gegenstände schaffen keinen Ausgleich zu Arbeit und Verpflichtungen.

Und daraus schloss ich Folgendes. Entweder haben Gegenstände einen Nutzen, oder sie sind wertlos. Dabei kann dieser Nutzen durchaus praktischer oder emotionaler Natur sein. Im schlechtesten Fall belasten die Gegenstände einen sogar. Und das wiederum bedeutet, sie können weg.

Gegenstände: Nützt mir, oder verschwindet.

Und so habe ich den Minimalismus entdeckt, ohne vorher je davon gehört zu haben. Genau im Trend habe auch ich angefangen, gemeinsam mit der halben Nation, unnütze Dinge aus meinem Leben zu verbannen.

Doch darauf will ich nicht große eingehen. Das Netz ist voll von Texten und Videos zu diesem Thema. Aber ich kann bestätigen, dass es sich toll anfühlt, Gegenstände loszuwerden, die man eigentlich nie genutzt hat. Das Buch, das man immer mal lesen wollte, das aber seit Jahre im Regal steht und einem ein schlechtes Gewissen macht? Weg damit. Es hat sicherlich einen Grund, dass man nie angefangen hat, das Buch zu lesen.

Die Muffinform oder den Smoothie-Maker, die man zweimal nach dem Kauf genutzt hat? Man hatte so tolle Pläne. Gesunde Smoothies oder kalte Milchshakes im Sommer. Keiner der Pläne wurde je umgesetzt. Also weg mit den Gegenständen. Und siehe da, mit den Gegenständen verschwindet auch das schlechte Gewissen. Und der Platz, den diese nie umgesetzten Pläne im Kopf eingenommen haben, wird plötzlich frei.

Die Konsequenz: Weniger kaufen, mehr machen.

In den meisten Ratgebern, Videos und Blogbeiträgen zum Thema Minimalismus geht es um den oben beschriebenen Effekt. Und natürlich um einen Lifestyle und schick eingerichtete minimalistische Wohnungen.

Viel zu selten geht es um einen Blick in die Zukunft und darum, was dieses Gefühl und die neu gewonnene Freiheit bedeuten können.

Nämlich eine komplette Änderung der Einstellung und der alltäglichen Gewohnheiten und Lebensweise.

Weg vom Fokus auf Produkte und Gegenstände, Shoppen und Besitz, hin zu wertvolleren, aber unsichtbaren Dingen.

Erleben, Eindrücke erzeugen, Erinnerungen schaffen. Den Faktor Erholung in den Vordergrund rücken, eine Auszeit schaffen.

Überblick über die Finanzen verschaffen und für neuen Spielraum sorgen.

Wenn man nicht gerade im Lotto gewonnen hat, oder Vorstand eines Konzerns ist, ist Geld wahrscheinlich nicht im Überfluss vorhanden. Bei mir hat es jedenfalls die Tendenz, einfach irgendwo zu verschwinden.

Um meine neuen Pläne in die Tat umzusetzen, wollte ich mir dafür einen finanziellen Spielraum verschaffen. Denn auch Ausflüge, Carsharing, Zugfahrten, Übernachtungen etc. kosten Geld.

Das Thema ist umfangreich und ich werde hierzu einen eigenen Betrag verfassen. Aber letztendlich bin ich die Kontoauszüge des vergangenen Jahres durchgegangen und habe alle Ausgaben hinterfragt und auf ihren Nutzen überprüft.

Bleiben durfte nur das, was zwingend notwendig ist (Haftpflichtversicherung etc.) oder dem oben formulierten neuen Ziel dient. Erlebnisse und Erinnerungen zu schaffen. Dinge, die man „halt so hat“ wurden gekündigt. Radikal.

Das bedeutet: Netflix weg, Amazon Prime weg. Ich habe ohnehin kaum Filme geschaut. Und Serien eigentlich nie. Und kaufen will ich ja auch weniger. Und im Zweifel raubt beides Freizeit, die ich gerne anders nutzen möchte. Außerdem spricht im Ernstfall natürlich nichts dagegen, einen der Dienste mal wieder für einen Monat zu abonnieren.

Ich habe den Stromanbieter gewechselt, Handyvertrag gewechselt, langsameren (50 Mbit anstatt 250 Mbit) aber günstigeren DSL-Anschluss bestellt, ein Zeitschriften-Abo gekündigt und vieles mehr.

Am Ende steht eine Ersparnis von über einhundert Euro. Jeden Monat. Und das, ohne dass ich das Gefühl habe, mich irgendwo eingeschränkt zu haben, oder auf etwas verzichten zu müssen. Geändert haben sich nur meine Prioritäten.

So ist zusätzlicher finanzieller Spielraum für einen Wochenendausflug mit Zugfahrt und Übernachtung entstanden. Jeden Monat.

Fazit

Es ist ohnehin sinnvoll, die eigenen Gewohnheiten ab und zu zu hinterfragen. Aber natürlich ist das alles andere als leicht. Die Pandemie hat nicht nur mich dazu gezwungen das zu tun. Daraus ist bei mir eine Verschiebung der Prioritäten und einige neue Erkenntnisse entstanden.

Wir konsumieren häufig aus Gewohnheit und „weil man das halt so macht“.

Gegenstände schaffen keine Erinnerungen und keinen Ausgleich zu Stress.

Man sollte viel mehr versuchen, sich auf die Dinge m Leben zu konzentrieren, die einem Freude bereiten. Natürlich bleiben immer unangenehme Tätigkeiten übrig. Aber man sollte versuchen, den angenehmen so viel Raum wie möglich einzuräumen und alles andere so weit wie möglich reduzieren.

Weniger kann mehr sein. Weniger Dinge, mehr Zeit, mehr Geld, mehr Erleben.

Lasst uns versuchen, uns auf dieses „mehr“ zu konzentrieren. Und alles wird besser…

Schreibe einen Kommentar

Kommentieren ist ohne Angabe personenbezogener Daten möglich. Dem Kommentar wird keine IP-Adresse zugeordnet.