Eigentlich halte ich mich für jemanden, der seine Finanzen ganz gut im Griff hat. Ich habe keine Schulden, lebe nicht über meine Verhältnisse, spare monatlich einen fixen Betrag und hinterfrage den Nutzen von Konsumgütern bevor ich sie kaufe (jedenfalls meistens).

Trotzdem ging es mir manchmal wie so vielen Menschen. Ich hatte das Gefühl, dass mein frei verfügbares Einkommen manchmal schneller verschwindet als es sollte.

Darüber habe ich mir Gedanken gemacht und kam zu folgendem Schluss. Ich hinterfrage den tatsächlichen Nutzen von Anschaffungen und Vertragsabschlüsse durchaus, allerdings nur beim Kauf oder Vertragsabschluss. Dann läuft das Abo teilweise viel zu lange einfach weiter.

Der Grund dafür ist letztendlich Bequemlichkeit. Ich habe viel Geld verschenkt, weil ich meine regelmäßigen Ausgaben nicht regelmäßig überprüft und hinterfragt habe.

Aus diesem Grund habe ich in diesem Bereich einen finanziellen Neustart hingelegt. Mit dem Ziel, mehr finanziellen Spielraum zu haben. Zum Sparen, oder für Ausflüge und Erlebnisse.

Überblick über alle regelmäßigen Ausgaben und Abbuchungen verschaffen

Manche Menschen führen ein Haushaltsbuch, in welches sie sämtliche Ausgaben genauestens auflisten. Hierfür fehlt mir die Disziplin und tatsächlich halte ich es auch für unnötigen Aufwand. Dies mag anders aussehen, wenn man häufig mit Bargeld zahlt und sich die Käufe somit nicht auf dem Kontoauszug nachvollziehen lassen. Aber auch in diesem Fall würde ich nur grob nach Lebensmittel, Konsum etc. unterscheiden.

Einmalige Ausgaben, bei denen ich eine gezielte Kaufentscheidung getroffen habe, haben mich bei meinem Vorgehen nicht interessiert. Dazu gehört beispielsweise der Kauf eines Handys oder die Bezahlung einer Hotelübernachtung in der Vergangenheit.

Interessiert haben mich die Ausgaben, die mehr oder weniger ohne mein Zutun vom Konto abgehen und die man teilweise leicht vergisst, weil sie nicht besonders hoch sind, oder nur einmal jährlich stattfinden.

So hast du deine Finanzen im Griff: Ausgaben erfassen und in monatliche Kosten umrechnen

Um mir einen umfassenden Überblick über meine Ausgaben zu verschaffen, bin ich folgendermaßen vorgegangen.

  1. Kontoauszüge der vergangenen 12 Monate bereitlegen.
  2. Aus Interesse die Zahlungen in Supermärkten in den vergangenen drei Monate zusammen gezählt. Hier kam ich auf unter als 200€/Monat. Weniger als ich erwartet hatte und somit ist hier kein Handlungsbedarf.
  3. Alle regelmäßigen Abbuchungen in einem Excel-Sheet erfasst. Beispielsweise Versicherungen, Zeitschriftenabos, Rundfunkbeitrag, Strom, Handy, Streamingdienste etc.
  4. In einer weiteren Spalte erfasst, wie oft der Betrag abgebucht wird. Monatlich, Quartalsweise oder Jährlich.
  5. In einer weiteren Spalte die Abbuchung in monatliche Kosten umgerechnet. Beispielsweise eine jährliche abgebuchte Versicherung i.H.v. 120€ entspricht monatlichen Kosten von 10€.
Monatliche und jährliche Ausgaben in Excel erfassen

Wenn die Kontoauszüge vorliegen, ist eine solche Übersicht recht schnell aufgestellt. Durch die Umrechnung von jährlichen Abbuchungen in monatliche Kosten bekommt man ein besseres Gefühl dafür, welche Ausgaben einen wirklich wie stark belasten.

Das Denken in monatlichen Ausgaben fällt mir leichter, denn schließlich bekomme ich auch mein Gehalt monatlich.

Außerdem ist so eine bessere Vergleichbarkeit zwischen den unterschiedlichen Ausgaben möglich. Beispielsweise ein monatlich abgebuchtes Netflix-Abo vs. jährlich abgebuchte Amazon-Prime-Mitgliedschaft.

Und gerade diese Abbuchungen unter 100€, die einmal jährlich stattfinden, können sich auf ein ganz schönes monatliches Sümmchen addieren.

Hinterfragen und radikal kündigen & Verträge wechseln

Bei vielen Diensten und Abos denkt man, man nutzt und benötigt sie. Dass dies nicht der Fall ist, bemerkt man oft erst, wenn man sich getraut hat das Abo zu kündigen.

Typisches Beispiel sind Zeitschriftenabos. Weißt du, wann eine neue Ausgabe einer abonnierten Zeitschrift herauskommt und freust du dich auf den Termin? Dann super. Das Abo darf bleiben.

Wenn man die Zeitschrift zwar liest, aber immer erst, wenn schon wieder die nächste Ausgabe auf dem Tisch liegt, dann ist die Begeisterung wohl nicht so groß. Solche Abos habe ich gekündigt. Und dabei festgestellt, wie erleichternd das ist und wie gut es sich anfühlt. Solche Abos sind eine, wenn auch unbewusste Belastung.

Mein Apple-Arcade Abo, das immerhin mit 5€/Monat zu Buche schlägt, obwohl ich es praktisch nie genutzt habe, wurde gekündigt.

Mein Netflix-Abo habe ich gekündigt. Ein Serienjunkie war ich nie und eigentlich ist es mir auch egal, wenn ich beim neuesten Serien-Hype nicht mitreden kann. Im Zweifel ist es für mich günstiger, ab und zu einen einzelnen Film bei Amazon zu kaufen.

Aus diesem Grund habe ich Amazon-Prime gleich mit gekündigt. Das hat mich tatsächlich unerwartet viel Überwindung gekostet. Schließlich sind im Paket viele Vorteile enthalten und 70€/Jahr klingen schließlich auch nicht nach viel Geld. Da ich ohnehin nur selten Filme schaue und schließlich auch weniger konsumieren möchte, sind die Vorteile aber nicht mehr wirklich relevant. Dass ein Paket im Zweifel einen Tag länger unterwegs ist, ist mir egal. Versandkosten entfallen ab 29€ Einkaufswert ohnehin und kosten ansonsten 3€. Das ist im Ernstfall also immer noch deutlich günstiger. Und wenn ich das Angebot wider Erwarten doch vermissen sollte, ist ein neues Abo schnell abgeschlossen.

Ich habe meinen 42€/Monat Handyvertrag im Vodafone-Netz gekündigt und bin in einen 7,99€/Monat Vertrag im O2 Netz gewechselt, der sogar mehr Datenvolumen enthält. Ja, das Vodafone-Netz mag hier und da besser sein. Aber hier in der Großstadt macht es keinen Unterschied und es ist nicht so viel besser, als dass es für mich den Aufpreis rechtfertigt.

Ich habe meinen Stromanbieter wieder gewechselt, denn der alte hat, von mir unbemerkt, die Preise deutlich erhöht.

Ich habe zwar kein Auto mehr, hatte aber immer noch eine ADAC-Mitgliedschaft. Die Mitgliedschaft ist jetzt gekündigt. Wenn du ein Auto hast, lohnt sich eventuell der Wechsel in eine günstigere Mitgliedschaft, zu einem anderen Automobilclub, oder der Schutzbrief der eigenen Autoversicherung.
Meinen alten Euro4-Diesel musste ich schon vor einigen Jahren abstoßen, da ich mit dieser Schadstoffklasse hier in Stuttgart nicht mehr fahren darf. Aus irgendeinem Grund dachte ich, es sei sinnvoll, die ADAC-Mitgliedschaft trotzdem weiterlaufen zu lassen. Schließlich gilt die Pannenhilfe auch, wenn man mit einem fremden Auto unterwegs ist.
Doch heute halte ich das für Geldverschwendung. Wenn ich mit einem Auto unterwegs bin, dann ist es ein Carsharing-Fahrzeug. Im Falle einer Panne ist dann ohnehin der Anbieter zuständig.

Ich habe den DSL-Vertrag gewechselt und bin von 250 Mbit auf 50 Mbit zurück. Die Datenrate ist für mich völlig ausreichend, auch wenn der Download eines Spiels nun länger dauert. 120€ Ersparnis im Jahr sind mir das Wert. Für eine Familie oder eine große WG sind die 50 MBit sicher zu wenig. Wichtig ist einfach, das zu hinterfragen, was man aktuell gebucht hat.

Spotify und Microsoft 365 Abos gekündigt und stattdessen mit Gutscheinkarten bezahlt, für die es regelmäßig Aktionen gibt. Bei Spotify bekommt man auf diese Weise das Jahr für 100€ anstatt 120€ und Microsoft 365 kostet mit Gutscheinen oft einen Bruchteil vom normalen Abopreis. Hier ließen sich zusammen immerhin 45€/Jahr sparen, ohne auf einen der Dienste verzichten zu müssen.

So bin ich Schritt für Schritt meine Ausgaben durchgegangen. Ich habe kritisch hinterfragt ob ich den Dienst wirklich nutze, ob er das Geld wert ist und ob es eventuell Alternativen gibt.

Zumindest bei Dingen und Dienstleistungen, die sich leicht wiederbeschaffen lassen, rate ich dazu, im Zweifel zu kündigen und zu probieren, wie es ohne ist. Beispiele sind Abos von Streamingdiensten, Spiele- oder Zeitschriften-Abos. Sollte sich herausstellen, dass die Kündigung ein Fehler war, lässt sich jederzeit ein neues Abo abschließen.

Über zusätzlichen finanziellen Spielraum freuen

Alles in allem ist die erschreckende Summe von knapp 120€/Monat zusammen gekommen, die ich nun monatlich spare. Und das, ohne irgendwelche Einschränkungen oder das Gefühl, auf irgendetwas verzichten zu müssen.

Ich möchte nochmal betonen: Es geht mir mit meinen Beispielen nicht darum sich einzuschränken und auf Dinge zu verzichten, nur um monatlich mit Gewalt etwas Geld zu sparen.

Es geht darum, finanzielle Entscheidungen die man eventuell vor Jahren getroffen hat regelmäßig zu überprüfen. Wenn sich herausstellt, dass die Ausgabe heute noch sinnvoll ist, umso besser. Ansonsten sollte man sich trauen und die Entscheidung korrigieren.

Der Trick für mich ist, alle Ausgaben auf ihre monatlichen Kosten umzurechnen und dies in einer Liste übersichtlich darzustellen. Dies erlaubt es einem auch, Prioritäten bei der Überprüfung zu setzen.

Im besten Fall steht am Ende eine deutliche Ersparnis, die man nun für sinnvollere Dinge oder Aktivitäten einsetzen kann.

Manchmal muss man etwas mutig sein um einen Dienst zu kündigen. Aber ganz ehrlich: Die meisten Entscheidungen sind nicht endgültig und können im Ernstfall schnell wieder rückgängig gemacht werden. Wenn sich herausstellt, dass man ohne Amazon Prime oder Netflix doch nicht leben kann, dann ist schnell ein neues Abo abgeschlossen. Und auch die Bandbreite des Internetanschlusses lässt sich leicht wieder erhöhen.

So oder so, es bleibt in jedem Fall das gute Gefühl, seine Finanzen nun wirklich im Überblick und unter Kontrolle zu haben.

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